Radfahrerin unfährt einen Poller und weicht auf die Straße aus. (Foto: B. Heitz/SR)

Kaum neue Radwege in Saar-Kommunen

Linda Grotholt / Niklas Resch   05.07.2021 | 06:30 Uhr

In Saar-Kommunen wurden seit 2016 kaum neue Radwege gebaut – obwohl es noch viele Lücken gibt. Eine SR-Recherche für den Themenschwerpunkt "Fahrrad-Offensive - Wie fährt das Saarland?" zeigt aber auch, dass viele Städte und Gemeinden an einer Verbesserung der Situation arbeiten.

Lücken im Alltagsradnetz sind nach wie vor ein großes Problem im Saarland. Oftmals enden Radwege im Nichts. Das Land hat im vergangenen Jahr keinen einzigen neuen Kilometer Radweg gebaut.

Umfrage in allen 52 Saar-Kommunen

Eine SR-Recherche zeigt jetzt, dass es in den Kommunen nicht viel besser aussieht. Seit 2016 wurden nur in vier Kommunen überhaupt neue Radwege gebaut, das sind Neunkirchen, Losheim, Nonnweiler und Wadgassen. Das ist das Ergebnis einer SR-Umfrage unter den 52 Kommunen im Saarland, auf die drei Viertel geantwortet haben, darunter alle größeren Städte.

Die längste neu gebaute Strecke war den Antworten zufolge im Jahr 2017 ein vier Kilometer langes Stück des Saarlandradwegs zwischen Nonnweiler-Kastel und Primstal. Losheim hat an einzelnen Stellen Lücken geschlossen – insgesamt geht es um mehrere hundert Meter. Neunkirchen hat bei der Umgestaltung der Unteren Bliesstraße einen kombinierten Geh-Radweg gebaut und Wadgassen die Brücke Eulenmühle in Differten.

Fünf Kommunen bringen Rad-Schutzstreifen an

Fünf Kommunen haben immerhin Rad-Schutzstreifen am Straßenrand markiert, um die Situation für Radfahrer zu verbessern. Neben Saarbrücken und Neunkirchen sind das Merzig (5,5 Kilometer Schutzstreifen), Saarlouis (rund 4,3 Kilometer) und Ensdorf. Nicht alle Kommunen haben dabei die genaue Länge der Schutzstreifen angegeben.

Großteil der Kommunen will neue Radwege bauen

Landkreis St. Wendel setzt auf einheitliches Radwegekonzept
Audio [SR 2, Marc-André Kruppa, 05.07.2021, Länge: 03:55 Min.]
Landkreis St. Wendel setzt auf einheitliches Radwegekonzept
Der Landkreis St. Wendel will ein gemeinsames Radfahrkonzept für den gesamten Kreis entwickeln, um den Alltagsradverkehr attraktiver zu machen. SR-Reporter Marc-André Kruppa hat mit Verantwortlichen im St. Wendeler Land über den Stand der Dinge gesprochen.

Die Analyse des SR-Rechercheteams zeigt aber auch: Ein Großteil der saarländischen Kommunen will dafür sorgen, dass Radfahren im Alltag künftig besser und sicherer möglich ist. Viele Städte und Gemeinden haben entweder bereits ein Radwegekonzept oder arbeiten gerade daran, wie etwa Illingen, Beckingen und Überherrn.

30 Kommunen geben bei der SR-Umfrage an, neue Radwege zu planen. Häufig geht es dabei darum, Ortsteile besser zu verbinden, wie etwa Blieskastel-Ballweiler und Biesingen oder Mettlach-Weiten und Orscholz. Denn häufig muss man, wenn man im Saarland mit dem Rad unterwegs ist, zwischen den Orten auf Landstraßen fahren, zwischen den Autos. Insbesondere im Berufsverkehr und in der Dämmerung ist das gefährlich.

Planung und Bau oft langwierig

Bis sich die Radwege-Situation im Saarland flächendeckend verbessert, dürfte es aber dauern. Denn der Bau von Radwegen benötigt einen jahrelangen Vorlauf. Der Grund: Insbesondere bei neuen Wegen etwa neben Landstraßen gelten ähnliche planerische Vorgaben wie beim Bau von Autostraßen, etwa was Umweltverträglichkeitsprüfungen angeht.

"Personeller Flaschenhals" beim LfS

Jahrelang wurden im Saarland bei Straßenplanungen die Radwege mehr oder weniger ignoriert. Das rächt sich jetzt. Denn gerade weil viele Kommunen das Thema Radwege nun für sich entdeckt haben und neue Verbindungen haben wollen, ist ein  Planungsstau entstanden. Das liegt auch an der dünnen Personalausstattung beim Landesbetrieb für Straßenbau (LfS). Denn der LfS ist vielerorts für die Planung der Radwege zuständig, nicht nur entlang der Landstraßen, sondern oftmals auch innerorts.

Jochen Hahn, beim LfS verantwortlich für die Radwege, sagt, dass sich derzeit vier Ingenieurinnen und Ingenieure mit der Planung von Radwegen im Saarland befassen. Er betont im SR-Interview: „Wahrscheinlich könnte man auch noch mehr als doppelt so viele Planer sinnvoll mit Radverkehr beschäftigen“. Aber zwei weitere Stellen konnten laut Hahn zuletzt nicht besetzt werden. Er spricht deswegen von einem „Flaschenhals nicht nur in der Planung“. Auch in anderen Fachbereichen wie etwa Vermessungen sei das Personal knapp - der Fachkräftemangel im Baubereich lässt grüßen.

Derzeit rund 35 Rad-Projekte in Planung

Immerhin arbeitet der LfS derzeit an der Planung von 35 Radprojekten im Saarland, so Jochen Hahn. Insgesamt gehe es um eine Gesamtlänge von rund 40 Kilometern. Oftmals geht es um Lücken, die zwischen bestehenden Radwegen geschlossen werden sollen. Das ist ein wichtiges Ziel, damit noch mehr Menschen auch im Alltag das Rad nutzen, etwa um zur Arbeit zu fahren.

Und hier ist – Stichwort Klimaschutz – noch viel Luft nach oben. Nirgends sonst in Deutschland werden so wenige Alltagsfahrten mit dem Rad absolviert wie im Saarland. Laut einer Studie des Bundesverkehrsministeriums von 2019 waren es gerade mal drei Prozent.

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