"Unglaublich unangenehmes Klima" im Grünen-Landesvorstand

"Unglaublich unangenehmes Klima" im Landesvorstand Saar

Ein Gespräch mit Janek Böffel aus der SR-Landespolitikredaktion zur aktuellen Situation des saarländischen Landesverbands von Bündnis 90 / Die Grünen

Sonja Marx. Onlinefassung: Rick Reitler   05.07.2021 | 07:55 Uhr

Für Janek Böffel aus der SR-Landespolitikredaktion sind die Konfliktlinien innerhalb des saarländischen Landesverbands der Grünen derzeit so zahlreich, dass die unübersichtliche, "seltsame Gemengelage" kaum Aussagen über den künftigen Kurs des Landesverbands zulässt. Ein Interview zum Status quo.

Beim Landesverband Saar von Bündnis 90/Die Grünen spitzen sich die Fronten immer weiter zu: Nach dem Streit um die Bundestagswahlliste sind mittlerweile vier Mitglieder des ursprünglich 17-köpfigen Landesvorstands zurückgetreten. Die Entscheidung über die Rechtmäßigkeit der Liste mit Hubert Ulrich an der Spitze will das Landesschiedsgericht wegen eigener Befangenheit an das Bundesschiedsgericht delegieren.

Die Uhr tickt

Doch die Zeit wird knapp, denn eine einwandfreie Liste für die Bundestagswahl muss fristgerecht bis zum 19. Juli eingereicht werden. Deshalb soll es nun am 17. Juli einen Sonderparteitag geben. Und dort - so die neueste Eskalation - will nicht nur der Noch-Generalsekretär Patrick Ginsbach nicht mehr antreten, sondern auch die Noch-Vorsitzende Barbara Meyer-Gluche.


Eine Aussage der Grünen-Landesvorsitzenden Barbara Meyer-Gluche zur umstrittenen Bundestagswahlliste (Foto: SR Fernsehen)


Lager unversöhnlich

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Für Janek Böffel aus der SR-Landespolitikredaktion keine große Überraschung: "Das hatte sich ein bisschen abgezeichnet", sagte er im Gespräch mit SR-Moderatorin Sonja Marx. "Was man aus dem Landesvorstand hört, ist ein unglaublich unangenehmes Klima, in dem sich die Lager unversöhnlich gegenüber stehen", stellte Böffel fest. Dabei gehe es keineswegs nur um die Personalie Ulrich, sondern insbesondere um die Entscheidungen der Vorsitzenden Meyer-Gluches, die die Liste entgegen des satzungsgemäßen Frauenstatuts ebenso mitgetragen habe wie das Paktieren der Ortsverände Saarlouis und Saarbrücken.

Zu wenig Macht für Meyer-Gluche

"Aber nun hat sie wohl die Erkenntnis gehabt, dass ihr als Landesvorsitzender - als einzig verbliebener Landesvorsitzender - die Macht fehlt im Vorstand", so Böffels Einschätzung.

Insgesamt sehe er bei den Saar-Grünen eine "seltsame Gemengelage" mit klaren Konflikten im Landesvorstand und "fünf zusätzlichen Konfliktlinien, die in den vergangenen Wochen dazu gekommen sind". All das sei "sehr unübersichtlich - auch im Hinblick auf einen möglichen Neuanfang".


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 05.07.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Archivbild ganz oben zeigt die Noch-Landesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen im Saarland, Barbara Meyer-Gluche, auf dem Landesparteitag im Juni 2021 (Foto: SR Fernsehen).

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