Delta-Variante: Israel "besorgt, aber noch nicht panisch"

"Besorgt, aber noch nicht panisch"

Ein Interview mit Tel-Aviv-Korrespondent Tim Aßmann zur Corona-Politik in Israel

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   01.07.2021 | 08:25 Uhr

Die "Delta-Variante" macht dem israelischen Gesundheitssystem weniger zu schaffen als befürchtet: Derzeit seien "nur 26 Fälle mit schwerem Verlauf" gezählt worden, bestätigte Tel-Aviv-Korrespondent Tim Aßmann im SR-Interview. "Man ist besorgt, aber noch nicht panisch". Ein härterer Lockdown sei derzeit nicht angedacht.

Im Lauf der vergangenen Woche ist die Zahl der positiv getesteten Personen in Israel wieder gestiegen. Dort weisen fast alle genetisch untersuchten Corona-Fälle die Delta-Variante auf. Auch einige Geimpfte scheinen sich mit der Mutante zu infizieren.

Demnächst Aus für Flugverkehr?

Mitverantwortlich gemacht werde auch der Reiseverkehr, vor allem der Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv, berichtete Israel-Korrespondent Tim Aßmann im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue. Obwohl Einreisende sich sowohl vor als auch direkt nach ihrem Flug testen lassen müssten, dächten die Behörden schon "sehr laut darüber nach, den Flugverkehr wieder ganz einzustellen".

Aswirkungen noch "eher gering"

Noch seien die Auswirkungen auf das israelische Gesundheitssystem aber "eher gering", räumte Aßmann ein. Unter den derzeit 1900 gemeldeten Corona-Fällen seien "nur 26 Fälle mit schwerem Verlauf", die in Kliniken behandelt werden müssten. Das ließe darauf schließen, dass die Delta-Variante zwar "sehr ansteckend" sei, aber meist milde verlaufe. "Man ist besorgt, aber noch nicht panisch", erklärte Aßmann. Denn bei Geimpften bestehe laut israelischer Statistik ein bis zu 96-prozentiger Schutz vor Delta.

Harte Maßnahmen nicht angedacht

Nun setze die israelische Regierung wieder vermehrt auf Impfungen, die nun auch für Kinder über 12 Jahren empfohlen werde. Härtere Lockdown-Maßnahmen halte Israels Premierminister Naphtali Bennett angesichts der Gesamtlage allerdings nicht für nötig.

Insgesamt hätten bereits 5,5 von 9 Millionen Israelis die doppelte Impfung mit dem Pfizer-Wirkstoff erhalten, so Aßmann.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 01.07.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Menschen beim Einkaufsbummel auf dem Mahane Yehuda Markt in Jerusalem (Foto: picture alliance/dpa/AP | Maya Alleruzzo).

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