Regionalwahlen in Frankreich: die Rückkehr der konservativ-bürgerlichen Mitte

Die Rückkehr der konservativ-bürgerlichen Mitte

Ein Gespräch mit Frankreich-Reporterin Lisa Huth nach den Regionalwahlen in der Region Grand Est

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   28.06.2021 | 08:40 Uhr

Nach der Stichwahl in Grand Est darf der bisherige Amtsinhaber Jean Rottner als Regionalratspräsident weiter regieren. Der Konkurrent des Rassemblement National schaffte es nur auf den zweiten Platz. Offensichtlich favorisierten die Menschen in schwierigen Zeiten "besser was Stabiles, was man kennt", meint SR-Frankreichexpertin Lisa Huth im SR-Interview.

Die meisten Regionen Frankreichs werden künftig Mitte-Rechts regiert. Das haben die Regionalwahlen nach der abschließenden Stichwahl am 27. Juni ergeben - bei historisch niedriger Wahlbeteiligung.

In der Nachbarregion Grand Est hat der Mediziner Jean Rottner mit seinem liberal-bürgerlichem Wahlprogramm sein Amt als Regionalratspräsident verteidigen können. Der Rassemblement National schaffte es mit seinem Kandidaten Laurent Jacobelli nur auf den zweiten Platz. "Überall haben die Rechtsaußen Federn gelassen", meinte SR-Frankreichexpertin Lisa Huth im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue. Ihre Anhänger hätten sich deutlich mehr erhofft, aber noch nicht einmal in ihren Hochburgen im Süden Frankreichs die erwartete Mehrheit geholt.

"Besser was Stabiles, was man kennt"

Huths Erklärung: Offensichtlich wünschten sich die Menschen in schwierigen Zeiten Stabilität. Zudem seien die Regionalratswahlen Personenwahlen - und hier habe Jean Rottner gerade in der Corona-Zeit punkten können, indem er beispielsweise als Arzt gearbeitet und seine Stimme in Paris erhoben habe. "Das hat eine Menge Leute wohl beeindruckt", so Huth.

Macrons "En marche" insgesamt schwach

Was die Regional für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Bewegung "En marche" speziell für die Präsidentschaftswahlen 2022 bedeute, sei schwer abzuschätzen, meint Huth: "Keine richtige Hausmacht für Macron, eine starke Konkurrenz, derzeit geringer Beliebtheitsgrad - das sieht zumindest im Moment nicht so sehr gut aus". Macron habe es "nirgends so richtig geschafft, seine Partei auf dem Land zu verankern - bei keiner der bisherigen Wahlen". Dennoch wäre es angesichts der niedrigen Wahlbeteiligung "Kaffeesatzleserei, wenn man da was Konkretes sagen würde".


Mehr zum Thema:

Grand Est
Rottner bleibt Regionalratspräsident
Amtsinhaber Jean Rottner hat am Sonntag im zweiten Durchgang die Wahl zum Regionalratspräsidenten in Grand Est gewonnen. Mehr als 40 Prozent der Stimmen konnte Rottner in der Stichwahl holen. Die Wahlbeteiligung war erneut sehr gering.

Prof. Dr. Frank Baasner
"Die Karten sind neu gemischt"
Sowohl Emmanuel Macron als auch Marine Le Pen haben bei den Regionalwahlen in Frankreich ihre Ziele verfehlt. Angesichts des Erstarkens konservativer Kräfte hält es Frankreich-Experte Prof. Frank Baasner sogar für möglich, dass einer bzw. eine der beiden es im Frühjahr 2022 nicht mehr in die Stichwahl für das Präsidentenamt schaffen könnte. Ein Interview.


Mehr zum Thema im Archiv:

Vor den Wahlen in Grand Est
Bleibt Jean Rottner Regionalratspräsident der Großregion?
SR-Frankreichreporterin Lisa Huth spricht kurz vor den Wahlen in Grand Est u. a. über den schwierigen Wahlkampf in Corona-Zeiten, über den Regionalpatriotismus im Elsass und über die Wiederwahl-Chancen von Jean Rottner als Regionalratspräsident der Großregion. Ein Interview.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 28.06.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt eine Urne mit Briefwahl-Umschlägen zur Regionalwahl in Saargemünd, Region Grand Est (Foto: Lisa Huth).

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja