Nach der Regionalwahl in Frankreich: "Die Karten sind neu gemischt"

"Die Karten sind neu gemischt"

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Frank Baasner, nach den Regionalwahlen in der Region Grand Est

Lisa Krauser. Onlinefassung: Rick Reitler   28.06.2021 | 12:10 Uhr

Sowohl Emmanuel Macron als auch Marine Le Pen haben bei den Regionalwahlen in Frankreich ihre Ziele verfehlt. Angesichts des Erstarkens konservativer Kräfte hält es Frankreich-Experte Prof. Frank Baasner sogar für möglich, dass einer bzw. eine der beiden es im Frühjahr 2022 nicht mehr in die Stichwahl für das Präsidentenamt schaffen könnte. Ein Interview.

Bei der entscheidenden Runde der Regionalwahlen in Frankreich sind am 27. Juni 2021 relativ wenige Stimmen für die Macron-Bewegung "La République en Marche" abgefallen, und auch seine Herausfordererin Marine Le Pen ("Rassemblement National") konnte nicht den gewünschten Erfolg feiern. Die zuvor amtierenden Regionalratspräsidentinnen und -präsidenten wurden alle bestätigt.

Le Pen: Protestpotenzial nicht ausgeschöpft

Was bedeutet das für die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr? Für Prof. Dr. Frank Baasner vom deutsch-französischen Institut in Ludwigsburg hat nun besonders Le Pen einen "deutlichen Rückschlag" zu verdauen, über dessen Gründe momentan nur spekuliert werden könne. Womöglich habe die sehr niedrige Wahlbeteilungung, die Verunsicherung wegen der Corona-Krise oder die Wahrnehmung der Regionalwahl als relativ unwichtig etwas mit Le Pens mäßigem Abschneiden zu tun. Jedenfalls habe Le Pen das "Protestpotenzial" diesmal nicht mobilisieren können.

Macrons Truppen nicht stark genug

Zudem habe die Regionalwahl ebenso wie schon die Kommunalwahl im März gezeigt, dass auch Emmanuel Macrons "Truppen nicht stark genug" seien, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Macron sei es in den vergangenen vier Jahren nicht gelungen, seine 2017 frisch gegründete Bewegung "En Marche" in "eine stabile Partei mit stabilen Mitgliederzahlen und einem festen Wählerstamm" zu überführen, sagte Baasner. Nun müsse Macron versuchen, im bürgerlichen oder im Mitte-Links-Lager Allianzen zu schmieden. "Sonst wird es sehr schwierig", so Baasner.

Kommt ein lachender Dritter?

Möglich sei angesichts des aktuellen Erstarkens der konservativen Kräfte sogar, dass entweder Macron oder Le Pen es im Frühjahr 2022 gar nicht mehr in die Stichwahl für das Präsidentenamt schaffen könnten, so Baasner. Vorstellbar sei inzwischen auch ein Präsident aus den Reihen des bürgerlichen Lagers: "Die Karten sind neu gemischt". Allerdings gehe es bei den Präsidentschaftswahlen auch sehr stark um die Persönlichkeit, gab Baasner zu bedenken.


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Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 28.06.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Marine Le Pen , die Vorsitzende der französischen Partei Rassemblement National (RN) und Parlamentsabgeordnete in Frankreich nach den ersten Ergebnissen der zweiten Runde der französischen Regionalwahlen. (Foto: picture alliance/dpa/AFP | Geoffroy Van Der Hasselt).

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