Kritik an LUCA-App: "Man hat die Katze im Sack gekauft"

"Man hat die Katze im Sack gekauft"

Ein Gespräch mit plusminus-Rechercheur Jörn Kersten über den Wert der Nachverfolgungs-App LUCA

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   09.06.2021 | 07:40 Uhr

Jörn Kersten vom ARD-Verbrauchermagazin plusminus hat die Schwachstellen der Nachverfolgungs-App LUCA recherchiert: Selbst IT-Laien könnten die App ziemlich leicht "austricksen" - sogar zum Nachteil Unbeteiligter. Ein Interview.

Mehr als 20 Millionen Euro haben 13 Bundesländer bislang für die LUCA-App ausgegeben - ein Tool fürs Smartphone, dass helfen soll, die Verbreitung des Corona-Virus per Kontaktnachverfolgung zu verhindern. Das Hantieren mit QR-Codes soll mit LUCA die analoge "Zettelwirtschaft" des vergangenen Jahres auf digitalem Weg ersetzen.

Ziemlich leicht auszutricksen

Doch ähnlich wie bei der Warn-App der Bundesregierung im vergangenen Frühjahr häufen sich längst auch für LUCA die Warnungen von IT-Sicherheitsexperten. Jörn Kersten hat die Schwachstellen für das ARD-Verbrauchermagazin plusminus recherchiert: So lasse sich das Prinzip sogar von IT-Laien ziemlich leicht "austricksen" - womöglich sogar zum Nachteil Unbeteiligter.

Gefahr für Gesundheitsämter

Plusminus, 9. Juni 2021
LUCA-App – mehr Kosten als Nutzen

"Der heikelste Punkt ist eigentlich, dass dieses System insgesamt zu großen Schäden in den Gesundheitsämtern führen kann", sagte Kersten im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. Denn es sei sogar möglich, über die "LUCA-Datenautobahn" Schadsoftware, genauer: Erpressersoftware, zu den Gesundheitsämtern zu schicken. "Das ist sicherlich das Letzte, was so ein Gesundheitsamt mitten in der Pandemie gebrauchen kann", so Kersten.

Bessere Alternativen

Seiner Einschätzung nach habe man bei LUCA zwar nicht "aufs falsche Pferd gesetzt", aber durchaus "die Katze im Sack gekauft". Kersten empfiehlt die Nutzung von alternativen Check-In-Apps wie beispielsweise "Iris" oder "Gast-Ident". Selbst die "gute alte" Warn-App der Bundesregierung funktioniere inzwischen besser als LUCA.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 09.06.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt einen QR-Code der App "LUCA" (Archivfoto: SR Fernsehen).

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