Städtetourismus im Corona-Wandel

Städtetourismus im Corona-Wandel

Ein Gespräch mit Julian Reif vom Deutschen Institut für Tourismusforschung, Heide

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   08.06.2021 | 08:25 Uhr

Auch wenn der Markt der Städtereisen schwer an der Corona-Krise leidet, ist nach Einschätzung von Julian Reif vom Deutschen Institut für Tourismusforschung die grundsätzliche Reiselust auch für Städtereisen ungebrochen, die Ansprüche aber hätten sich gewandelt.

Der Kurztrip übers Wochenende in eine Metropole erfreute sich vor der Corona-Krise noch großer Beliebtheit. Doch mit den behördlich angeordneten Ausgangssperren und Schließungen für Hotels und Gastronomie ist der Städtetourismus ziemlich zum Erliegen gekommen. "Gerade die Städte haben stark gelitten", bestätigte Julian Reif vom Deutschen Institut für Tourismusforschung in Heide im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding.

In die Stadt und ins Umland

Unstrittig sei, dass die Leute 'raus wollten und viele von Sonne und Meer träumten. Gleichwohl sei die grundsätzliche Reiselust auch für Städtereisen ungebrochen: Noch im Spätsommer 2020 habe eine repräsentative Umfrage seines Instituts ergeben, dass rund 47 Millionen Menschen in Deutschland ziemlich sicher planten, innerhalb von zwölf Monaten eine Städtereise zu unternehmen. "Durch Corona einen deutlichen Aufschwung erlebt" habe die Nachfrage nach Freiluftaktivitäten bzw. Ausflügen ins Umland einer Stadt. Dieser Trend werde seiner Einschätzung nach auch so bleiben, so Reif.

Neue Ansprüche

Die Ansprüche an die Infrastruktur vor Ort hätten sich inzwischen auch gewandelt: Die Menschen legten mehr Wert auf eine "hygienisch einwandfreie Unterkunft", auf die "Einhaltung von Abstandsregeln" oder auf faire Stornierungsbedingungen, sagte Reif.

Lust an Veranstaltungen "nach wie vor da"

Menschen, die die Einschränkungen bei Veranstaltungen als Barrieren sähen, warteten bei ihrer Freizeitplanung allerdings eher darauf, dass diese Hindernisse fielen. Denn "die Lust an Ausstellungen oder Konzerten ist nach wie vor da", stellte Reif fest.

Künftig weniger Geschäftsreisen

Was Geschäftsreihen angehe, erwarte er durchaus einen Effekt durch die Digitalisierung: "Viele Meetings werden da in Zukunft sicherlich wegfallen", sagte Reif voraus, "manche Geschäftsreisen haben aber einfach einen Zwang zur Nähe". Eine "vollständige Substitution durch digitale Meetings" könne er sich von daher nicht vorstellen.

Mehr zum Thema:

"Das volle Kontrastprogramm des Ruhrgebiets erleben"
Audio [SR 2, Kai Schmieding / Florian Hecker, 08.06.2021, Länge: 02:19 Min.]
"Das volle Kontrastprogramm des Ruhrgebiets erleben"
Die Ruhrmetropole Essen ist nicht gerade als touristisches Kleinod bekannt. Vor Kurzem aber hat die Stadt mitten in Saarbrücken eine Werbekampagne gestartet: "In Essen geht alles!" heißt es auf den Plakaten, auf denen eine Hochofen-Silhouette und Freizeitszenen Lust auf einen Stadtbesuch machen sollen. Im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding erläutert Florian Hecker von der Pressestelle der Stadt Essen die Idee dahinter: Die Menschen überall in Deutschland sollen ruhig "einmal das volle Kontrastprogramm des Ruhrgebiets erleben und dann hoffentlich sehr begeistert nach Hause fahren".


Mehr zum Thema Tourismus im Archiv:

Beschränkungen werden gelockert
Öffnungsperspektive für Gastronomie und Hotels
Das Saarland hat seit Pfingstmontag erste Beschränkungen gelockert - und Ende Mai gibt es eine konkrete Öffnungsperspektive für die Gastronomie und die Tourismusbranche, wenn die Inzidenz stabil unter 100 liegt.

Internationale Tourismusbörse 2021 - ein Rückblick
Reisebranche vor großem Umbruch?
Nach Einschätzung von rbb-Beobachter Michael Castritius bereitet sich die Tourismusbranche im Zuge des Corona-Schocks auf eine ganz andere Zukunft vor: Nachhaltiger, klimafreundlicher und sicherer sollen die Angebote werden. Der Massentourismus aber werde nicht aussterben. Ein Interview.

Tourismusforscher Prof. Jürgen Schmude
"Auslandsreisen im großen Stil in diesem Jahr noch nicht möglich"
Nach Ansicht des Tourismusforschers Prof. Jürgen Schmude wird der Reisesommer der Deutschen 2021 ähnlich verlaufen wie der Sommer 2020 - nämlich geprägt von Inlandsreisen. Auslandsurlaube im großen Stil sieht er erst wieder ab Sommer 2022 - dann allerdings mindestens unter Schnelltest-Auflagen. Ein Interview.

Folgen der Corona-Krise
Tourismus-Barometer Saarland schwer gefallen
Die Folgen des Corona-Schocks spiegeln sich auch im aktuellen Tourismus-Barometer der Sparkassen wider: Die Zahlen der Branche sind zwischen Januar und Oktober stark eingebrochen. Die Landesregierung will helfen.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 08.06.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt ein Hotelbett (Archivfoto: SR Fernsehen).

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja