"Die CDU kann noch Wahlen gewinnen"

"Die CDU kann noch Wahlen gewinnen"

Ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Prof. Oskar Niedermayer nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   07.06.2021 | 08:15 Uhr

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt empfiehlt der Politikwissenschaftler Prof. Oskar Niedermayer der CDU, sich auch für dei Bundestagswahl im Herbst nicht nur weiter klar "nach rechts", sondern auch gegen Bündnis 90/Die Grünen abzugrenzen. Ein Interview.

Nach dem vorläufigen Endergebnis hat die CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 37 Prozent der Wählerstimmen klar ihren Rang als stärkste Kraft verteidigt. Auf Platz zwei landet die Alternative für Deutschland (AfD) mit 21 Prozent. Die Linke erreicht nur noch 11 Prozent, die SPD rutscht auf 8 Prozent ab. Die FDP ist mit 6 Prozent wieder im Landtag vertreten. Auch die Grünen stehen bei 6 Prozent.

Kommt die "Deutschland-Koalition"?

Damit könnte es auf eine schwarz-rot-gelbe "Deutschland-Koalition" hinauslaufen, meinte der Politikwissenschaftler Prof. Oskar Niedermayer im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. "Die CDU kann noch Wahlen gewinnen, wenn sie geschlossen auftritt und wenn sie einen in der Bevölkerung gut angesehenen Kandidaten hat", sagte Niedermayer.

Abgrenzen nach rechts und nach grün

In Sachsen-Anhalt habe es sich "sehr stark" um "eine Personenwahl gehandelt", Ministerpräsident Reiner Haseloff habe es "hervorragend" verstanden, sich als "Landesvater" zu zeigen. Wenn die CDU auch bei der Bundestagswahl so einen Erfolg feiern wolle, müsse sie sich nicht nur weiter klar "nach rechts", sondern auch gegen Bündnis 90/Die Grünen abgrenzen, empfahl Niedermayer.

Grüne stärker unter Beobachtung

Für die Partei um Spitzenkandidatin Annlena Baerbock stehe in den nächsten Tagen die Programmdiskussion auf der Tagesordnung: "Wenn der linke Flügel der Grünen da noch einiges durchdrücken sollte", werde es im Herbst schwieriger, gegen CDU-Kandidat Armin Laschet zu bestehen, sagte Niedermayer voraus. Denn immerhin stünden die Grünen inzwischen "viel stärker unter Beobachtung und auch unter Kritik als früher". Die Wahl in Sachsen-Anhalt werde bei der Bundestagswahl im Vergleich dazu keine Rolle mehr spielen.

Absturz von Linken und SPD

Der SPD und den Linken riet Niedermayer, sich "weniger um linke Identitätspolitik für Kleinstgruppen und gendergerechte Sprache und ähnliches" zu kümmern und stattdessen wieder mehr Augenmerk auf die Interessen ihrer traditionellen Stammwählerschaft zu richten.

Die Landtagswahl in Zahlen: https://www.tagesschau.de


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 07.06.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Reiner Haseloff, CDU, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und seine Ehefrau Gabriele beim Jubeln auf der CDU-Wahlparty (Foto: picture alliance/dpa | Bernd Von Jutrczenka).

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