Kassenärtzliche Vereinigung hofft auf Lieferzusagen und Geduld

Kassenärtzliche Vereinigung hofft auf Lieferzusagen und Geduld

Ein Gespräch mit Dr. Joachim Meiser, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland, über das Ende der Impfpriorisierung

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   07.06.2021 | 07:45 Uhr

Dr. Joachim Meiser von der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland blickt mit gemischten Gefühlen auf den Wegfall der Impfpriorisierung: Der Ton in den Arztpraxen könne nun noch aggressiver werden, sagte Meiser im SR-Interview. Nun sei es an der Politik, die Impfstoff-Lieferzusagen einzuhalten.

Mit dem 7. Juni 2021 wird das Verfahren der Impfpriosierung in Deutschland gekippt, Betriebs- und Privatärzte können nun grundsätzlich noch stärker in die Corona-Impfung eingebunden werden. Im Saarland können sich Menschen ab 16 Jahren auf der Internetseite der Landesregierung oder telefonisch über die Hotline des Gesundheitsministeriums auf Wartelisten setzen lassen.

Geduld statt Aggression

Dr. Joachim Meiser, der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland, blickt mit gemischten Gefühlen auf den Tag: Angesichts noch immer nicht ausreichender Impfstoffmengen könne der Ton in den Arztpraxen noch "heftiger und aggressiver" werden, sagte Meiser im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding.

Lieferzusagen einhalten

Hohe Termin-Nachfrage
Audio [SR 3, Steffani Balle, 07.06.2021, Länge: 03:13 Min.]
Hohe Termin-Nachfrage
In den ersten Stunden nach Wegfall der Impfpriorisierung sind die Telefone schon heiß gelaufen, weiß SR-Reporterin Steffani Balle.

Während die Impfzentren schon "am Anschlag" arbeiteten, sehe er in den Praxen durchaus noch "etwas Potenzial". Grundsätzlich leistbar wären seiner Ansicht nach saarlandweit mindestens 70.000 bis 80.000 Impfungen pro Woche. Um die Impfungen zu beschleunigen, sei es seiner Ansicht nach hilfreich, mehr Impfstoff an die Arztpraxen zu verteilen. Er hoffe, dass die in den vergangenen Wochen gemachten Lieferzusagen "jetzt endlich mal eingehalten werden".

Die Vereinbarung, dass Menschen mit chronischen Krankheiten bei der Terminvergabe bervorzugt würden, werde "den Fortschritt nicht wirklich hemmen", so Meiser.


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Audio [SR 3, Steffani Balle, 07.06.2021, Länge: 01:19 Min.]
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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 07.06.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Dr. Joachim Meiser bei einem früheren Besuch im Funkhaus Halberg (Archivfoto: SR Fernsehen).

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