"Die Zeichen stehen auf eine weitere Verschärfung des Nahost-Konflikts"

"Die Zeichen stehen auf eine weitere Verschärfung"

Ein Interview mit Auslandskorrespondent Tim Aßmann zur Lage in Israel nach dem Wiederaufflammen der Gewalt

Sonja Marx. Onlinefassung: Rick Reitler   12.05.2021 | 08:45 Uhr

Auch in der Nacht zum 12. Mai gab es in Israel Raketenangriffe der Hamas - Tel Aviv wurde getroffen. Israel-Korrespondent Tim Aßmann schildert im SR-Interview die aktuellen Ereignisse und spricht über die vielfältigen Anlässe für das erneute Aufflammen der uralten Konflikte. "Momentan stehen die Zeichen auf eine weitere Verschärfung", so Aßmanns Einschätzung.

Nach Wochen der Unruhe ist der Konflikt zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern am Abend des 10. Mai in militärische Gewalt umgeschlagen. Palästinenser feuern seitdem Raketen aus dem Gazastreifen auf israelisches Gebiet, das israelische Militär reagiert mit Luftschlägen in die andere Richtung. Auf beiden Seiten gab es bereits viele Tote und Verletzte, darunter auch Kinder.

Auch in der Nacht zum 12. Mai ging das Bombardement weiter: In der Metropole Tel Aviv schlugen am frühen Morgen - gegen 2.00 Uhr MEZ - Raketen der Hamas ein.

Verschiedene Anlässe für Eskalation

Für das erneute Aufflammen der uralten Konflikte gab es in den vergangenen Wochen nach Einschätzung von Israel-Korrespondent Tim Aßmann verschiedene Anlässe: Zunächst habe sich die arabisch-palästinensiche Seite von Israel wegen Aufenthaltsregelungen am Damskus-Tor im Fastenmonat Ramadan provoziert gefühlt, später seien mehrere arabische Familien zu Gunsten jüdischer Siedler in Jerusalem zwangsgeräumt worden. Daraufhin habe es Ausschreitungen bei der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg gegeben.

"Was dann folgte, war so ein bisschen die Konfliktroutrine, hart ausgedrückt", erklärte Aßmann im Gespräch mit SR-Moderatorin Sonja Marx. Eine Rolle bei der Eskalation spiele zudem der Umstand, dass die Hamas sich bei der palästinensischen Bevölkerung profilieren wolle.

Netanjahus Koalitionsgespräche auf Eis

Für den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, dessen Macht von der Opposition bedroht sei, berge die aktuelle Lage allerdings auch eine positive Seite: Er müsse sich zurzeit nicht den schwierigen Koalitionsgesprächen mit arabisch-israelischen Parteien in der Knesset stellen. Und während Netanjahus Verhandlungen auf Eis lägen, laufe der Opposition allmählich die Zeit für eine eigene Kolaitionsbildung davon. "Momentan stehen die Zeichen auf eine weitere Verschärfung des Nahost-Konflikts", so Aßmanns Fazit.


Weitere Informationen im Archiv:

24.03.2021: Der Morgen nach der Parlamentswahl
"Israel bleibt im politischen Patt"
Nach Auszählung der Hälfte der Stimmen am Morgen des 24. März zeichnet sich noch kein klares Bild über ein mögliches Regierungsbündnis in Israel ab. "Da ist noch Bewegung drinnen", sagte Korrespondent Tim Aßmann im SR-Interview.

21.03.2021: Vor der Wahl in Israel
"Auch ein Referendum über Netanyahus Corona-Politik"
Steffen Hagemann von der Heinrich-Böll-Stiftung ging am Mittag des Wahltags nicht davon aus, dass in der Knesset bald stabile Verhältnisse herrschen werden - unabhängig von einer möglichen Wahlniederlage Benjamin Netanyahus: "Egal wie diese Wahl ausgeht, Israel wird politisch nicht zur Ruhe kommen".


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 12.05.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt eine Straßenszene aus Tel Aviv vom 12. Mai 2021: Nach Raketenangriffen sind mehrere verbrannte Fahrzeuge mit Löschschaum bedeckt (Foto: picture alliance/dpa | Oren Ziv).

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja