DIW: Forderungen an den Petersberger Klimadialog

Forderungen an den Petersberger Klimadialog

Ein Gespräch mit der Energie-Ökonomin Prof. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW)

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   04.05.2021 | 11:51 Uhr

Die Energie-Ökonomin Prof. Claudia Kemfert hat anlässlich des "Petersberger Klimadialog" weit größere Anstrengungen von Wirtschaft und Politik für Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und vor allem für erneuerbare Energien gefordert. Ein Interview.

Anlässlich des "Petersberger Klimadialogs" der Bundesregierung hat die Energie-Ökonomin Prof. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) sich einen "sehr viel schnelleren und zügigeren Ausbau der erneuerbaren Energien" in Deutschland gewünscht, um die erst kürzlich vom Bundesverfassungsgericht angemahnten Klimaziele zu erreichen. Das Ausbautempo müsse "mindestens vervierfacht, wenn nicht sogar versechsfacht" werden", forderte Kemfert im SR-Interview.

Verkehr, Industrie, Landwirtschaft

Die "Verkehrsverlagerung, -vermeidung und -optimierung" und die Stärkung des Schienenverkehrs seien das zweite wichtige Element, die "Dekarbonisierung der Industrie" das dritte. Viertens müsse die Landwirtschaft nachhaltiger werden.

Elektromobilität und Digitalisierung seien überfällige "Schritte in die richtige Richtung", sagte Kemfert. Deshalb sollte schon jetzt eine E-Auto-Quote von 25 Prozent gesetzlich festgeschrieben werden, 2025 müsse dieser Wert auf 50 Prozent ansteigen, forderte Kemfert.

"Endlich auch Investitionssicherheit"

Die Abschaltung von Kohlekraftwerken gehe ihr viel zu langsam, und auch bei den Themen Gebäudesanierung, Energieeffizienz und "grüner Wasserstoff" sei noch viel zu tun. Damit die Wirtschaft in diesem Sinne investiere, müsse sie allerdings "endlich auch Investitionssicherheit bekommen".

"Wirtschaftwunder" möglich

Es gehe bei alldem auch um "zukunftsfähige Arbeitsplätze" und um Märkte "im Bereich der erneuerbaren Energien", die noch zu erschließen seien. Die Digitalisierung werde "viel mehr Jobs" bieten "als wir heute haben", ist Kemfert überzeugt. Dieses "Wirtschaftwunder" sei "zu leisten, wenn wir jetzt endlich mal die Investitionen lostreten und auch die Hemmnisse aufgeben".

Hintergrund

Die Bundesregierung hat bereits am 3. Mai wieder einmal zum mehrtägigen, internationalen "Petersberger Klimadialog" eingeladen. MinisterInnen und Minister aus rund 30 Ländern sollen Wege für mehr Klimaschutz erörtern. Speziell die deutsche Politik steht unter Druck, seit das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, die Emissionsminderung in Deutschland nach 2031 noch strenger zu definieren.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 04.05.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt Windräder hinter einem Baum (Foto: Pixabay/Distel2610).

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