"Wir halten das Design von Luca grundlegend für ungeeignet"

"Wir halten das Design von Luca grundlegend für ungeeignet"

Ein Gespräch mit Ben Stock vom CISPA-Helmholtz-Zentrum für IT-Sicherheit in Saarbrücken über die Tauglichkeit der Luca-App

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   29.04.2021 | 17:40 Uhr

Ben Stock vom CISPA-Helmholtz-Zentrum für IT-Sicherheit in Saarbrücken gehört zu jenen rund 70 IT-Fachleuten, die die Luca-App für nicht geeignet halten, die Pandemie-Bekämpfung voranzutreiben. Im SR-Interview erläutert er seine Gründe.

Mehr als 70 deutsche IT-Sicherheitsforscherinnen und -forscher haben in einer offiziellen Stellungnahme von der Luca-App im Kampf gegen die Corona-Krise abgeraten. Denn das kleine Smartphone-Programm zur Kontaktverfolgung, das der deutsche Hiphop-Musiker Smudo seit Monaten propagiert, registriere riesige Datenmengen, darunter auch sensible Daten. Und anders als bei der offiziellen Corona Warn App (CWA) des RKI würden die Daten nicht auf dem Handy gespeichert, sondern zentral auf den Servern des Betreibers.

"Nutzen nicht verhältnismäßig"

CISPA-Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit (Foto: SR)
Das CISPA-Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit

Diesen Tatsachen zum trotz haben schon mehrere Landesregierungen für mindestens 20 Millionen Euro Luca-Lizenzen gekauft, darunter auch das Saarland. "Unserer Meinung nach ist der Nutzen nicht verhältnismäßig", sagte Ben Stock vom CISPA-Helmholtz-Zentrum für IT-Sicherheit in Saarbrücken, einer der Unterzeichner der kritischen Stellungnahme, im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue.

Erste Auswertungen hätten gezeigt, dass "die Gesundheitsämter mit den Daten nicht wirklich etwas anfangen" könnten. "Wir halten das Design von Luca erstmal grundlegend für ungeeignet", erläuterte Stock, denn bei Luca fehle die "Definition eines Problems". Es sei bei der Luca-App vielmehr so gelaufen, dass "eine Lösung präsentiert" worden sei, "ohne dass wir dieses Problem genau spezifiziert haben, was überhaupt gebraucht wird", sagte Stock.

Landesverordnung für CWA anpassen

Stock schlug der Landesregierung vor, darüber nachzudenken, ob man die Landesverordnung dahingehend anpassen könne, dass die ältere CWA "auch für diese Check-Ins" verwendet werden dürfte, damit die Papierlisten in Gastronomie und Co. der Vergangenheit angehören könnten. Die entsprechende Check-In-Funktion sei ja gerade in die CWA implementiert worden.

Die Betreiberfrage

Grundsätzlich vertrete er die Auffassung, das bei der Pandemiebekämpfung nicht auf eine App gesetzt werden sollte, die von Privatunternehmen vorangetrieben und auch langfristig betrieben werden solle. Von daher setze er sich für die CWA ein: Diese App sei zwar auch von der Privatwirtschaft entwickelt worden - der formale Betreiber aber sei das Robert-Koch-Institut (RKI).


Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Abend" vom 29.04.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt ein Smartphome mit einem QR-Code innerhalb der Luca-App (Foto: SR Fernsehen).

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