Mehrheit der Jugend fürchtet um ihre berufliche Zukunft

Mehrheit der Jugend fürchtet um ihre berufliche Zukunft

Ein Gespräch mit Clemens Wieland von der Bertelsmann-Stiftung, über die Ergebnisse der Studie "Ausbildungsperspektiven im zweiten Corona-Jahr"

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   29.04.2021 | 07:20 Uhr

Besonders Jugendliche mit niedrigem oder ohne Schulabschluss haben Angst um ihre berufliche Zukunft - nun auch wegen der Corona-Krise. Das ist ein Ergebnis der Bertelsmann-Studie "Ausbildungsperspektiven im zweiten Corona-Jahr".

Mehr als zwei Drittel der jungen Leute zwischen 14 und 20 in Deutschland befürchten, dass sich ihre Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt durch die vielen Lockdown-bedingten Pleiten potenzieller Ausbildungsbetriebe weiter verschlechtert haben - das ist ein Kernergebnis der aktuellen Bertelsmann-Studie "Ausbildungsperspektiven im zweiten Corona-Jahr".

Geringeres Angebot

Und die Angst scheint nicht unbegründet: Schon im Jahr 2020 habe es zehn Prozent weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr gegeben, bestätigte Studien-Mitarbeiter Clemens Wieland im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. Besonders betroffen seien Jugendliche mit Hauptschulabschluss oder Mittlerer Reife. Ohne Berufsabschluss liefen diese große Gefahr, später arbeitslos zu werden.

"Passungsprobleme"

Auch in den Jahren zuvor habe es in zunehmendem Maße "Passungsprobleme" gegeben, räumte Wieland ein: Immer mehr unbesetzte Ausbildungsstellen hätten immer mehr unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern gegenüber gestanden.

"Ausbildung sehr attraktiv"

Wenn allerdings ein Ausbildungsplatz ergattert worden sei, sei die Zufriedenheit der Azubis "sehr hoch". 80 Prozent der Befragten seien "sehr zufrieden" mit ihrem Ausbildungsplatz. Diese Quote sei bei Jugendlichen mit niedrigem Schulabschluss noch höher. "Das heißt, Ausbildung ist für junge Menschen sehr attraktiv", resümierte Wieland. Von daher gelte es aus Sicht der Bertelsmann-Stiftung, die "duale Ausbildung zu stärken". Als Vorbild nannte er Österreich mit seiner gesetzlich verbrieften Ausbildungsgarantie.

Mit Abitur besser dran

Anders als bei dualen Berufsausbildungen in Betrieben hätten sich die Chancen für Abiturientinnen und Abiturienten, einen Studienplatz zu bekommen, wegen des Angebots digitaler Lernangebote der Universitäten aber kaum verändert, so Wieland. Zudem könnten Jugendliche mit Abitur zwischen Studium und dualer Ausbildung wählen, Jugendliche ohne Abitur aber nicht.



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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 29.04.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt Jugendliche mit Maske in einem Klassenzimmer (Archivfoto: SR Fernsehen).

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