Impfgipfel: Erleichterungen frühestens in einem Monat

Erleichterungen frühestens in einem Monat

Ein Gespräch mit Hauptstadt-Korrespondentin Franka Welz nach dem Impfgipfel vom 26. April 2021

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   27.04.2021 | 07:15 Uhr

Hauptstadt-Korrespondentin Franka Welz glaubt nach dem Impfgipfel daran, dass die Regierungen in Bund und Ländern sich bemühen, "möglichst schnell wieder so etwas wie Normalität" hinzukriegen. Gleichwohl sei höchstens "vorsichtiger Optimismus" angesagt, so Welz im SR-Interview.

Beim Impfgipfel am 26. April haben sich Bund und Länder prinzipiell darauf geeinigt, dass Menschen, die gegen Covid-19 geimpft sind oder die Krankheit bereits überstanden haben, demnächst wieder mehr Freiheiten bekommen sollen. Außerdem soll das Modell der Priorisierungsgruppen im Juni aufgehoben werden, so dass Impfwillige unabhängig von Alter oder Beruf einen Termin beantragen können sollen.

Noch keine Beschlüsse

Hauptstadt-Korrespondentin Franka Welz warnte allerdings vor allzu großer Vorfreude: Die Ministerpräsidentenrunde habe sich lediglich ausgetauscht - ein rechtskräftiger Beschluss sei ganz bewusst noch nicht gefällt worden. Auch Detalis über die Ausgestaltung der Erleichterungen für Geimpfte bzw. Genesene stünden noch nicht fest. Die Bundesregierung habe allerdings angekündigt, "zügig" einen Entwurf zu erarbeiten, der dann noch den Bundestag und den Bundesrat passieren müsse. Frühestens am 28. Mai könne man also "genauer wissen, was denn eigentlich speziell mit Blick auf die Geimpften gelten" solle, sagte Welz im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger.

Und die Familien?

Ein größeres Problem sehe sie in der Handhabung neuer Regelungen, was Familien angehe: "Was macht man jetzt eigentlich mit den Jüngeren, die ja bisher in den Impfplänen noch nicht so richtig vorkommen?", fragte Welz.

"Vorsichtiger Optimismus"

Bei all den noch offenen Fragen aber sei man sich "in der Politik jetzt vergleichsweise sicher, dass der Ausweg da ist, dass man jetzt tatsächlich wirklich gucken will, wie kriegt man möglichst schnell wieder so etwas wie Normalität hin", so Welz' Einschätzung. Selbst Kanzlerin Merkel habe zum ersten Mal davon gesprochen, dass es nun auch um die Rückgabe von Grundrechten gehe.

Nicht vergessen dürfe man aber, dass "wir immer noch in einer Hochinzidenzzeit" seien und "die Überlastung des Gesundheitssystems" auch weiterhin "nicht auszuschließen" sei. Die aktuelle Stimmung in der Corona-Politik könne man mit den Worten "vorsichtiger Optimismus" zusammenfassen.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 27.04.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Bundeskanzlerin Angela Merkel, Markus Söder und Michael Müller auf dem Weg zur Pressekonferenz nach dem Impfgipfel im Kanzleramt am 26.04.2021 (Foto: picture alliance/dpa/dpa-pool | Michael Kappeler).

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