"Die Situation in Indien ist nach wie vor dramatisch"

"Die Situation ist nach wie vor dramatisch"

Ein Gespräch mit Peter Rimmele, dem Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Neu Delhi, über die Corona-Lage in Indien

Peter Weitzmann. Onlinefassung: Rick Reitler   26.04.2021 | 12:45 Uhr

Das Gesundheitssystem in Indien hat wegen steigender Zahlen an Erkrankten offenbar seine Belastungsgrenze erreicht: Sauerstoff für die Intensivstationen fehlt ebenso wie Hilfspersonal und Krankenhausbetten. Peter Rimmele, der Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Neu Delhi, schildert die Corona-Lage vor Ort.

Fast 353.000 neue Corona-Fälle sind am 26. April in Indien gemeldet worden - bei knapp 1,4 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohnern.

Krankenhäuser überlastet

Infizierte können teilweise nicht mehr in den Krankenhäusern aufgenommen werden, Sauerstoff zur Versorgung ist Mangelware, es fehlt offenbar an Hilfspersonal und Krankenhausbetten. "Im Moment sind eben alle Intensivbetten belegt", bestätigte Peter Rimmele, der Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Neu Delhi, im Gespräch mit SR-Moderator Peter Weitzmann, "die Situation ist nach wie vor dramatisch". Er geht von einer noch höheren Dunkelziffer aus.

Lockdown in Delhi eine Woche verlägert

Der Lockdown in Neu Delhi sei nach einer ersten Woche deshalb um eine weitere Woche verlängert worden. "Es hat nicht so viel geholfen", räumte Rimmele ein, "es versucht aber, die Infektionskette zumindest zu verkürzen".

"Indien ist die Apotheke der Welt"

Als Grund für die stark steigenden Zahlen sieht Rimmele die "Nachlässigkeit" der Regierung und von den Leuten auf der Straße. So habe es beispielsweise erst kürzlich Wahlkampagnen und "riesige religiöse Feste" mit mehreren 100.0000 Teilnehmern ohne Maske gegeben. Außerdem sei eine "Doppelmutation" aufgetreten, die sich "noch schneller" verbreite, und die USA hätten zunächst Lieferungen von Zutaten unterbunden, die vor Ort zur Herstellung von Impfstoffen gebraucht würden. "Indien ist ja die Apotheke der Welt", gab Rimmele zu bedenken.


Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 26.04.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt medizinische Mitarbeiter bei der Lieferung eines Sauerstoffzylinders an ein Krankenhaus (Foto: picture alliance/dpa/SOPA Images via ZUMA Wire | Naveen Sharma).

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