"500.000 Impfdosen für das Saarland sollten doch genügen"

"500.000 Impfdosen für das Saarland sollten doch genügen"

Ein Gespräch mit Dr. med. Joachim Meiser, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   23.04.2021 | 08:15 Uhr

Dr. Joachim Meiser von der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland ist zuversichtlich, dass die Impfungen für Menschen der Priorisierungsgruppe 3 "im Laufe des Junis" abgeschlossen und danach ein Impfangebot an alle Menschen gerichtet werden kann.

Ab Juni 2021 können sich alle Bundesbürgerinnen und -bürger impfen lassen: Priorisierungsgruppen soll es dann nicht mehr geben, so das Versprechen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Hoffen auf den Monat Juni

Dr. Joachim Meiser, der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland, ist ebenfalls zuversichtlich, dass die Priorisierung 3 für Menschen ab 60 Jahren zumindest "im Laufe des Junis" abgeschlossen und danach jedem ein Impfangebot gemacht werden kann. Die bis Ende Juni angekündigten rund 500.000 Impfdosen für das Saarland sollten "doch genügen", sagte Meiser im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. Im Saarland zählten ziemlich genau 300.000 Menschen zu eben dieser Gruppe 3.

Ausreichend Impfstoff erwartet

Selbst wenn ein großer Teil der erwarteten Lieferung noch für Zweitimpfungen verwendet werde, blieben "bestimmt noch 300.000 oder 350.000 übrig, um sozusagen der Priorisierungsgruppe 3 ein Impfangebot zu machen", sagte Meiser. Damit könne man "irgendwann im Laufe des Juni" wahrscheinlich auch für alle anderen Altersgruppen öffnen. Er gehe zudem davon aus, dass auch in den saarländischen Hausarztpraxen nun nach und nach jede Woche mehr Impfungen verabreicht werden könnten.

Haftungsrisiko bei Astra Zeneca

Eine "große Unsicherheit" bestehe im Saarland allerdings noch in der Haftungsfrage: Da das "Haftungsrisiko" beim Impfstoff Astra Zeneca für Menschen unter 60 Jahren "groß" sei, rate die Kassenärztliche Vereinigung im Saarland ihren Vertragsärzten momentan noch von der Astra Zeneca-Verwendung für diese Gruppe ab - und zwar, "bis unsere saarländische Landesregierung sich erklärt hat", betonte Meiser. Für Menschen im Alter von über 60 Jahren aber sei "es völlig unproblematisch".

Thema Impfung aktuell:

Beschluss des Ministerrats
Priorisierung 3 in zwei Stufen unterteilt
Corona-Impftermine für Menschen aus der Priorisierungsgruppe 3 sollen im Saarland künftig in zwei Stufen vergeben werden. Zur ersten Stufe zählen dabei unter anderem besonders gefährdete Personen aus der Altersgruppe ab 65 Jahren.


Mehr zum Thema Impfen im Archiv:

Kassenärztliche Vereinigung
Impfangebot für alle verzögert sich
Um bis Ende Juni jeder Saarländerin und jedem Saarländer eine erste Impfung gegen Corona anbieten zu können, müssten laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) die Hausarztpraxen mindestens 40.000 Dosen pro Woche erhalten. Doch aufgrund kurzfristiger Impfstoff-Ausfälle kommt es zu Verzögerungen.

Corona-Politik
Saar-Ärzte können Impfstoff künftig selbst wählen
Saarländische Arztpraxen sollen künftig selbst aussuchen können, welchen Corona-Impfstoff sie erhalten. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung können die impfenden Ärtze erstmals Ende April wählen, von welchem Impfstoff sie wie viele Dosen für ihre Patientinnen und Patienten bestellen. Zur Auswahl stehen die Stoffe von Biontech/Pfizer und AstraZeneca.

Corona-Politik in der EU
Mehr Biontech-Impfstoff und ein "grünes Impfzertifikat"
Deutschland könnte bis Juni mit neun Millionen mehr Impfdosen von Biontech/Pfizer rechnen als ursprünglich kalkuliert, weil die Produktionskapazitäten erhöht wurden. Bis zu den Sommerferien soll EU-weit zudem ein "grünes Impfzertifikat" kommen. Brüssel-Korrespondent Alexander Göbel erläutert die Details.

17. März 2021: Interview mit dem Psychiater und Angstforscher Prof. Borwin Bandelow
Die Angst vor dem Impfen
Sieben Fälle von Hirnvenenthrombosen bei 1,6 Millionen Impfungen - das ist nicht besonders viel. Trotzdem wurden die Impfungen mit dem Vakzin AstraZeneca wegen Vermutung auf Nebenwirkungen in mehreren EU-Staaten vorläufig ausgesetzt. Das hat zu einer allgemeinen Verunsicherung und Angst vor dem Impfen geführt. Eine ganz natürliche Reaktion, meint der Psychiater und Angstforscher Prof. Borwin Bandelow.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 23.04.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Dr. Joachim Meiser bei einem früheren Besuch im Funkhaus Halberg (Foto: SR Fernsehen).

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja