USA: Drei Monate Joe Biden im Weißen Haus

Gut drei Monate Joe Biden im Weißen Haus

Ein Gespräch mit Dr. Bruno von Lutz vom Deutsch-Amerikanischen Institut in Saarbrücken über die ersten drei Monate mit Joe Biden als US-Präsident

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   29.04.2021 | 06:00 Uhr

Dr. Bruno von Lutz vom Deutsch-Amerikanischen Institut in Saarbrücken blickt mit Hoffnung und Erstaunen auf die ersten drei Monaten der Amtszeit von Joe Biden: Der Trump-Nachfolger habe zwar mit seinem großen Infrastrukturprojekt und seinem Impfplan gepunktet - gleichwohl seien seine Zustimmungswerte lediglich konstant geblieben. Ein Interview.

Bruno von Lutz, Direktor des Deutsch-Amerikanischen Institiuts in Saarbrücken (Foto: Benjamin Morris)
Archivbild: Dr. Bruno von Lutz (Foto: Benjamin Morris)


Am 20. Januar wurde Joe Biden in Washington als US-Präsident vereidigt. Gut drei Monate ist das jetzt her. Dr. Bruno von Lutz, den Direktor des Deutsch-Amerikanischen Instituts in Saarbrücken, gab sich im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger erleichtert: Er hoffe darauf, dass unter Biden "alles wieder in normale Bahnen gelenkt", dass "zugehört" und dass die Nation wieder zusammengebracht werde. Eine große Rolle dabei werde Bidens billionenschweres "Infrastrukturprojekt" spielen, das vorwiegend den Trump-Wählern zugute komme, sagte von Lutz.

Erfolge und Probleme

Biden sei zudem erfolgreich dabei, seinen nationalen Impfplan "mit aller Macht" durchzudrücken: "Es steht jetzt jedem Amerikaner das Recht auf 'ne Impfung zu", berichtete von Lutz. Das Impfprogramm seit "weit über Bidens Planungen" hinaus, Prioritätenlisten würden keine Rolle mehr spielen.

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Probleme geopolitscher Natur sehe er für Biden augenblicklich im Verhältnis zum zum Iran und zu Afghanistan. Hier müsse Biden durchaus mit "Gegenwind auch aus seiner eigenen Partei" klarkommen. Was die Beziehungen zu Deutschland angehe, müssten noch die alten Differenzen wegen des NATO-Beitrags und der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 bewältigt werden. "Ich glaube, da wird sich noch was bewegen", sagte von Lutz voraus.

Trotz Bidens Einstand aber seien "die Zustimmungs- und Ablehnungswerte" für den Demokraten in der amerikanischen Bevölkerung "erstaunlich konstant": Sie lägen "genau parallel zu dem Wahlausgang" nahzu bei "fifty-fifty" - ein bisschen mehr bei der Zustimmung, ein bisschen weniger auf Seiten der Ablehnung. Dies sei bisher noch "bei keinem anderen US-Präsidenten so gewesen", stellte von Lutz fest.

Die seit Jahrzehnten entwickelte Spaltung der Amerikanerinnen und Amerikaner würde sich auch "im nächsten Jahrzehnt bestimmt noch nicht dramatisch ändern, wenn das sich überhaupt jemals ändern wird", so Lutz' Erklärung.


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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" am 20.04.2021 und in "Der Nachmittag" am 27.04.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt US-Präsident Joe Biden bei einem Pressetermin im Weißen Haus (Foto: picture alliance/dpa/AP | Andrew Harnik).

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