Dirk van den Boom: Wahlkampf "völlig unvorhersehbar"

Wahlkampf "völlig unvorhersehbar"

Ein Interview mit dem Politikwissenschaftler Prof. Dirk van den Boom, Universität Münster

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Rick Reitler   20.04.2021 | 12:40 Uhr

Die Kanzlerkandidatenfrage in der Union ist geklärt: Armin Laschet soll bei der Bundestagswahl im Herbst die grüne Spitzenkandidatin Annalena Baerbock übertrumpfen. Für den Politikwissenschaftler Prof. Dirk van den Boom gilt es nun abzuwarten, "wie sich dieser Wahlkampf entwickelt".

Der Politologe Prof. Dirk van den Boom (Foto: Martin Breher/SR)
Prof. Dirk van den Boom (Foto: Martin Breher)


Während Bündnis 90/Die Grünen am 19. April ihrer Co-Parteichefin Annalena Baerbock ohne öffentliche Streitereien das Vertrauen als Kanzlerkandidatin ausgesprochen haben, neigte sich der der Entscheidungskampf um den Bewerber der Unionsparteien erst im Lauf des 20. April seinem Ende zu: Der CDU-Bundesvorstand hatte am Abend zuvor nach mehrstündigen Beratungen klar für den Nordrhein-Westfalen Armin Laschet gestimmt.

Der Ball liege jetzt wieder im Spielfeld von Markus Söder, meinte der Politikwissenschaftler Prof. Dirk van den Boom im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger - aber Söder habe die Entscheidung nach tagelangem Machtkämpfen jetzt eigentlich zu akzeptieren.

AKTUELL: Genau das ist um die Mittagszeit passiert: Markus Söder hat die Entscheidung des CDU-Bundesvorstands respektiert und seine eigene Bewerbung zurückgezogen. Auf einer Pressekonferenz sagte er Laschet im Wahlkampf seine volle Unterstützung zu.


Söder akzeptiert CDU-Entscheidung
Laschet wird Kanzlerkandidat der Union
CSU-Chef Markus Söder hat seine Bewerbung für die Unions-Kanzlerkandidatur zurückgezogen.


Inhalte statt Personen

"Was ich am meisten vermisst habe, ist allerdings, sowohl bei den Grünen als auch bei der Union, dass wir die ganze Zeit über diese Personen reden", sagte van den Boom, "aber gar nicht, ob es da unterschiedliche inhaltliche Positionen gibt". Diese Frage sei für ihn "viel interessanter".

Warten auf den Wahlkampf

Eine Prognose für die Nachfolge von Angela Merkel im Kanzleramt wollte der Politikwissenschaftler nicht abgeben: "Ich glaube, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt wirklich ganz stark abwarten müssen, wie sich dieser Wahlkampf entwickelt". Er sei fest davon überzeugt, dass die "Karten neu gemischt" würden, wenn sich die Kontrahenten im Disput gegenüberstünden und je weniger "die akute Pandemie" alles in der politischen Diskussion überdecke.

Dann erst könnten andere Themen wie etwa die Lösung der wirtschaftlichen Probleme, der gestiegene Schuldenberg und der Klimawandel "vordringlich" sein. Es sei allerdings momentan "völlig unvorhersehbar, wie dann diese Themen diskutiert werden" und für wie wichtig die Bevölkerung diese Dinge halte.


Der andere Bllickwinkel:

Machtkampf um Kanzlerkandidatur
Union vor drei "Scherbenhaufen"
Hauptstadt-Korrespondent Kai Küstner geht davon aus, dass Markus Söder nach dem Votum des CDU-Bundesvorstands pro Armin Laschet nicht anders kann, als seine Kanzlerambitionen vorerst zu begraben. Die Union stehe nun vor einem dreifachen Scherbenhaufen, sagte Küstner im SR.

Die Entscheidung für Armin Laschet - eine Einschätzung
Audio [SR 3, Studiogespräch: Michael Friemel/Uli Hauck, 20.04.2021, Länge: 04:18 Min.]
Die Entscheidung für Armin Laschet - eine Einschätzung
Die Einschätzung von SR-Hauptstadtstudio-Korrespondent Uli Hauck.

Laschet soll Kanzler werden
Audio [SR 1, (c) Christian Balser, Anja Günther, 20.04.2021, Länge: 02:09 Min.]
Laschet soll Kanzler werden
Armin Laschet soll Kanzlerkandidat der Union werden. Der CDU-Bundesvorstand hat doch mehrheitlich für seinen Partei-Chef gestimmt - und nicht für CSU-Chef Markus Söder. Dazu im Interview: Anja Günther aus dem ARD-Hauptstadtstudio.


Mehr zum Thema im Archiv:

Einigung mit Robert Habeck
Annalena Baerbock wird Kanzlerkandidatin der Grünen
Annalena Baerbock tritt als erste Kanzlerkandidatin für die Grünen an. Das hat die Partei am 19. April bekannt gegeben. Co-Chef Robert Habeck stimmte auf einen harten Wahlkampf ein. Die endgültige Entscheidung soll auf dem Grünen-Parteitag Mitte Juni fallen.

Kanzlerkandidatur CDU/CSU
"Ein Zeichen gelebter Planlosigkeit"
Auch nach dem Treffen von Armin Laschet und Markus Söder stand am Morgen des 19. April noch immer nicht fest, wer für die Union als Kanzlerkandidat ins Rennen gehen soll. Für Hauptstadt-Korrespondentin Franka Welz ein klares Zeichen für Entfremdung, Ratlosigkeit und Planlosigkeit auf verschiedenen Ebenen der Union. Ein Interview.

Kanzlerkandidatur Bündnis90/Die Grünen
"Ich denke, es wird Baerbock werden"
Der Politikwissenschaftler Prof. Oskar Niedermayer geht davon aus, dass Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin der Grünen vorgestellt werden wird. Eine Entscheidung pro Habeck wäre "gegen jegliche Tradition der Grünen", so Niedermayer im SR-Interview.

13.04.2021: Streit um Kanzlerkandidatur in der Union
Prof. Uwe Jun zur Frage "Laschet oder Söder?"
Für den Politikwissenschaftler Prof. Uwe Jun ist derzeit noch unklar, ob CDU-Parteichef Armin Laschet oder CSU-Parteichef Markus Söder der beste Kandidat der Union für die Kanzlerschaft wäre. Bis zum Herbst vergehe noch viel Zeit. Ein Interview.

15.01.2021: Experten-Prognose vor CDU-Parteitag
Laschet wird Parteivorsitzender, Söder Kanzlerkandidat
Der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke geht davon aus, dass Armin Laschet das Rennen um den CDU-Parteivorsitz gewinnen wird. Der Nordrhein-Westfale stehe nicht nur für Kontinuität, sondern würde Markus Söder wahrscheinlich auch die Kanzlerkandidatur überlassen, so von Lucke im SR-Interview.


Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 20.04.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, am 19.04.2021 bei einem Statement vor dem Konrad-Adenauer-Haus (Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler).

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja