K-Streit in der Union: "ein Zeichen gelebter Planlosigkeit"

"Ein Zeichen gelebter Planlosigkeit"

Ein Interview mit Hauptstadt-Korrespondentin Franka Welz am Morgen nach dem Treffen von Armin Laschet und Markus Söder

Jochen Marmit, Onlinefassung: Rick Reitler   19.04.2021 | 07:45 Uhr

Auch nach dem Treffen von Armin Laschet und Markus Söder steht noch immer nicht fest, wer für die Union als Kanzlerkandidat ins Rennen gehen soll. Für Hauptstadt-Korrespondentin Franka Welz ein klares Zeichen für Entfremdung, Ratlosigkeit und Planlosigkeit auf verschiedenen Ebenen der Union. Ein Interview.

In der vergangenen Woche war die Entscheidung für Freitag, 16. April, angekündigt worden, doch drei Tage später, am Morgen des 19. April, steht noch immer nicht fest, wer für die Union als Kanzlerkandidat ins Rennen gehen soll.

Treffen ergebnislos

Ein Treffen der beiden Kontrahenten, Armin Laschet (CDU-Parteichef) und Markus Söder (CSU-Parteichef) bis tief in die Nacht ist offenbar ergebnislos verlaufen. Am 20. April könnte es zu einer Abstimmung in der Bundestagsfraktion kommen. "Jetzt wird weiter zunehmend ratlos, denke ich mal, versucht, wie man diese verfahrene Situation auflösen kann", interpretierte Hauptstadt-Korrespondentin Franka Welz im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit die Situation.

Ratlosigkeit und Entfremdung

Was entgegen anderslautender Stimmen aus den Reihen der Bundestagsfraktion gerade passiere, sei "kein transparenter strukturierter, organisierter Prozess", sondern "einfach ein Zeichen gelebter Planlosigkeit", so ihre Einschätzung. Offenbar habe sich niemand in den Unionsparteien im Vorfeld Gedanken darüber gemacht, wie man reagieren solle, wenn die Führungsgremien beider Parteien sich nicht auf eine gemeinsame Linie einigen könnten. Nun sei die "Ratlosigkeit" eben "groß", eine "gewisse Entfremdung zwischen den verschiedenen Ebenen, gerade der CDU" sei zu beobachten.

Wahlprogramm unklar

Selbst wenn eine Abstimmung in der Fraktion am Ende ein Ergebnis zu Stande bringen würde, sei es für sie "schwer vorstellbar", dass sich die Union "wie ein Mann hinter ihrem Kandidaten" versammeln würde. "Es geht ja nicht nur darum, mit welchem Kandidaten man in den Wahlkampf zieht, sondern auch, welche Inhalte man vertritt", gab Welz zu bedenken. Diese "Inhalte" seien ja noch nicht einmal in ein Wahlprogramm geschrieben worden. Die Frage laute dann: "Wer führt diesen Programmprozess?"


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 19.04.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt den zerrissenen Schriftzug der Union mit den Namen von Laschet und Soeder. (Grafik: picture alliance / ZB | Z6944 Sascha Steinach).

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