Prof. Oskar Niedermayer: "Ich denke, es wird Baerbock werden"

"Ich denke, es wird Baerbock werden"

Ein Interview mit dem Politikwissenschaftler Prof. Oskar Niedermayer am Morgen des Tags der Bekanntgabe der Kanzlerkandidatur von "Bündnis90/Die Grünen"

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   19.04.2021 | 08:25 Uhr

Der Politikwissenschaftler Prof. Oskar Niedermayer geht davon aus, dass Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin der Grünen vorgestellt werden wird. Eine Entscheidung pro Habeck wäre "gegen jegliche Tradition der Grünen", so Niedermayer im SR-Interview.

Wer wird für Bündnis 90/Die Grünen als Kanzlerkandidat bzw. -kandidatin antreten? Parteichefin Annalena Baerbock oder Parteichef Robert Habeck? Am 19. April soll die Entscheidung bekannt gegeben werden.

Einigung mit Robert Habeck
Annalena Baerbock wird Kanzlerkandidatin der Grünen
Annalena Baerbock tritt als erste Kanzlerkandidatin für die Grünen an. Das hat die Partei am 19. April bekannt gegeben. Die endgültige Entscheidung soll auf dem Grünen-Parteitag Mitte Juni fallen.

Der Politikwissenschaftler Prof. Oskar Niedermayer geht davon aus, dass es Baerbock werden wird. Denn wenn eine "feministische Partei" seit Monaten von zwei gleichermaßen fähigen und willigen Bewerbern rede, könne man am Ende nicht "dem Mann den Vorzug geben", sagte Niedermayer im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. "Das wär' ja gegen jegliche Tradition der Grünen". Ob eine Kandidatur Baerbock allerdings "tatsächlich bis zur Wahl" halten werde, "auch wenn zum Beispiel Fehler im Wahlkampf passieren oder wenn die Umfragewerte zurückgehen" sollten, werde man sehen.

"Wille zur Macht"

Er sehe das große Verdienst der Partei-Doppelspitze Baerbock/Habeck darin, dass die beiden es geschafft hätten, "die traditionell zerstrittenen Grünen zumindest nach außen hin" zu einigen. Der "Wille zur Macht" habe offenbar eine "ungeheuer disziplinierende Wirkung", so Niedermayers Interpretation. Dennoch existierten innerhalb der Partei noch immer sowohl die beiden Flügel "Fundis" und "Realos" als auch die beiden Anhängerlager Baerbock bzw. Habeck. "Aber das wird nach außen hin eben nicht kommuniziert", räumte Niedermayer ein.

"Linkes Programm"

Sowohl Baerbock als Habeck hätten als Vertreter des Realo-Flügels den linken Flügel "inhaltlich eingebunden", wie ein Blick ins Parteiprogramm belege. Denn es handele sich "um ein linkes Programm, sowohl wirtschaftspolitisch als auch gesellschaftlich", stellte Niedermayer klar. Diese "Klammer" befriede "auch den linken Flügel".

Einige Monate Wahlkampf

Noch keineswegs klar sei, ob die Grünen vom aktuellen Streit in den Unionsparteien um die Kanzlerkandidatur werden profitieren können: "Wir haben noch ein paar Monate bis zur Bundestagswahl hin", sagte Niedermayer: Im Wahlkampf werde der wochenlange "Knatsch" innerhalb der Union für die Wählerinnen und Wähler keinerlei Rolle mehr spielen.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 19.04.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen (Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)

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