K-Frage in der Union: "Eine sehr, sehr verfahrene Situation"

Prof. Thorsten Faas: "Eine sehr, sehr verfahrene Situation"

Ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Prof. Dr. Thorsten Faas über den Streit um die Kanzlerkandidatur der Unionsparteien

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   14.04.2021 | 07:15 Uhr

Für den Politikwissenschaftler Prof. Dr. Thorsten Faas ist auch nach dem Duell von Armin Laschet und Markus Söder vor der Bundestagsfraktion der Union unklar, wer das Rennen um die Kanzlerkandidatur gewinnen wird. "Es ist eine sehr, sehr verfahrene Situation", so Faas im SR-Interview.

Am 13. April haben sich Armin Laschet und Markus Söder, die beiden Bewerber um die Kanzlerkandidatur der Union, in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion den Fragen der Abgeordneten gestellt. Für den Politikwissenschaftler Prof. Dr. Thorsten Faas "sind wir nun weniger schlauer als vorher", was den Ausgang des Rennens angehe.

Diverse Interessen

"Es ist eine sehr, sehr verfahrene Situation", stellte der Faas im Gespräch mit SR-Moderatorin Katrin Aue fest. Was die Kandidatur-Ambitionen Laschets angehe, seien die Positionen der CDU-Parteiangehörigen aus seiner Sicht "zu konfliktträchtig": Von der Basis über die Abgeordneten bis zu den Führungsgremien gebe es offensichtlich unterschiedliche Ansichten über den besten Kandidaten.

Die "Umfragekarte"

Söder habe jedenfalls "seine Truppen mobilisiert", indem er die Bundestagsfraktion "klug" und "sehr strategisch" eingebunden habe, sagte Faas. Immerhin sei die Bundestagsfraktion der einzige Ort, an dem Vertreterinnen und Vertreter aus CDU und CSU zusammenkämen. Und hier habe Söder natürlich erneut "die Umfragekarte" ausgespielt, die für seine Kanzlerkandidatur sprechen würde. Denn Laschet habe zurzeit lediglich "problematische Zahlen" vorzuweisen, räumte Faas ein. Und "dass man einen Spitzenkandidaten, der auch nicht neu ist, der vielen Menschen bekannt ist, dass man den mal eben in kurzer Zeit mit einem komplett neuen Image versieht, das ist eine riesige Herausforderung", meinte Faas.

Schwierige Voraussetzungen im Superwahljahr

Insgesamt erlebe man "an dieser Stelle, dass es DIE Partei nicht gibt", stellte Faas fest: "Das ist jetzt ein Deutungskampf, wenn man so will: Wo ist denn die Breite der CDU?"

Die ganze Situation mache "sehr deutlich", dass "die CDU, die Union" augenblicklich "nicht mit sich im Reinen" sei. Das bedeute in einem Superwahljahr trotz der eigentlich guten Ausgangsposition von CDU und CSU, "ganz, ganz schwierige Voraussetzungen". Es sei schon alleine schwierig, dass es am Ende auf jeden Fall einen Sieger und einen Verlierer geben werde, denn letztlich brauche es beide Parteien der Union, um einen Wahlkampf zu führen.


Der andere Blickwinkel:

Laschet oder Söder?
Audio [SR 1, Gespräch Christian Balser / Franka Welz, 14.04.2021, Länge: 02:22 Min.]
Laschet oder Söder?
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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" vom 14.04.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Markus Söder (l, CSU), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, und Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und CDU-Vorsitzender (Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler).

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