Prof. Uwe Jun zur Frage "Laschet oder Söder?"

Prof. Uwe Jun zur Frage "Laschet oder Söder?"

Ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Prof. Dr. Uwe Jun über den Streit um die Kanzlerkandidatur in den Unionsparteien CDU und CSU

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   13.04.2021 | 07:55 Uhr

Für den Politikwissenschaftler Prof. Uwe Jun ist derzeit noch unklar, ob CDU-Parteichef Armin Laschet oder CSU-Parteichef Markus Söder der beste Kandidat der Union für die Kanzlerschaft wäre. Bis zum Herbst vergehe noch viel Zeit. Ein Interview.

Der unionsinterne Streit um den richtigen Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl im September spitzt sich zu: CSU-Chef Markus Söder weigert sich, CDU-Chef Armin Laschet als Kandidat anzuerkennen, obwohl das CDU-Präsidium und der CDU-Bundesvorstand am 12. April für den Nordrhein-Westfalen votiert hatten.

"Laschet würde sein Gesicht verlieren"

Für den Politikwissenschaftler Prof. Uwe Jun von der Universität Trier sei den Spitzengremien der größeren Schwesterpartei CDU allerdings gar nichts anderes übrig geblieben, als Laschet zu favorisieren, weil Laschet erst vor drei Monaten zum Parteichef gewählt worden sei. In dieser Position habe Laschet nun nicht nur "die besseren Karten in der Hand", sondern würde bei einem Rückzug seiner Kandidatur auch sein Gesicht verlieren.

Umfragewerte sprechen für Söder

Andererseits sei Söder aufgrund seiner besseren Umfragewerte der aussichtsreichere Kandidat, meinte Jun. Der Franke hoffe nun wohl auf die Unterstützung der Unionsbasis von den Kreis- und Landesverbänden bis hin zur CDU/CSU-Bundestagsfraktion, um eine endgültige Nominierung doch noch zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

Prognose schwierig

Welcher der beiden Parteichefs wirklich die bessere Wahl in der K-Frage sei, könne man angesichts der langen Zeitspanne bis zum September noch nicht einschätzen, meinte Jun. Immerhin sei noch offen, wie sich die Corona-Situation bis dahin entwickele und wen die größte Konkurrenzpartei als Spitzenkandidatin oder -kandidaten ins Rennen schicken werde - nämlich Bündnis 90/Die Grünen.

Armin Laschet erinnere "von seinem Stil her, von seinem Handeln" jedenfalls eher an Angela Merkel und Helmut Kohl, während Markus Söder eher Assoziationen an Gerhard Schröder wecke, meinte Jun.

Kein Einfluss auf SPD-Chancen

Unerheblich sei die Frage "Söder oder Laschet?" seiner Einschätzung nach für die Ambitionen der Sozialdemokraten auf das Kanzleramt, meinte Jun: Die SPD habe schon von ihrer frühen Benennung von Olaf Scholz als Herausforderer "bislang überhaupt nicht profitieren" können - und das werde auch so bleiben, unabhängig davon, auf welchen Kandidaten sich die Union irgendwann festlegen werde.


CDU-Fraktion im Landtag
Keine Empfehlung im Kanzlerkandidaten-Rennen
Die CDU-Fraktion im Landtag will sich in der Kanzlerkandidatenfrage der Union nicht für einen der beiden Bewerber Laschet oder Söder aussprechen. Ohnehin müsste die eigentlich schon längst geklärt sein, kritisiert Fraktionschef Alexander Funk.


Der andere Blickwinkel:

Söder lässt nicht locker
Audio [SR 1, (c) Christian Balser, Georg Schwarte, 13.04.2021, Länge: 01:57 Min.]
Söder lässt nicht locker
Markus Söder oder Armin Laschet – für wen stehen die Chancen besser, Kanzlerkandidat der Union zu werden? Eine Einschätzung von unserem Hauptstadtkorrespondenten Georg Schwarte.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 13.04.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Markus Söder (CSU, r), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, neben Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, am 11.04.2021 auf dem Weg zu einer Pressekonferenz bei der Klausurtagung des Geschäftsführenden Vorstands der Unionsfraktion im Bundestag (Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler).

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