Vertrauen in die Medien bis Ende 2020 gestiegen

Vertrauen in die Medien bis Ende 2020 gestiegen

Ein Gespräch mit Prof. Tanjev Schultz vom Journalistischen Seminar des Instituts für Publizistik an der Universität Mainz

Sonja Marx. Onlinefassung: Rick Reitler   09.04.2021 | 07:45 Uhr

Fast zwei Drittel der Menschen in Deutschland hielten die Berichterstattung der etablierten Medien zum Jahresende 2020 für vertrauenswürdig. Den Journalismus-Experten Prof. Tanjev Schultz hat dieser Befund einer Studie der Universität Mainz durchaus "ein bisschen überrascht". Ein Interview.

Die "Langzeitstudie Medienvertrauen" der Universität Mainz führt seit 2008 regelmäßig repräsentative Befragungen durch. Am 8. April 2021 wurden die Ergebnisse der mittlerweile siebten Studie vorgestellt. Demnach ist das Vertrauen der Menschen in Deutschland in die Medien bis zum Ende des Jahres 2020 deutlich gestiegen, wie Prof. Tanjev Schultz, Experte für Journalismus an der Universität Mainz und einer der Studien-Mitarbeiter, im Gespräch mit SR-Moderatorin Sonja Marx bestätigte.

Überraschender Befund

Fast zwei Drittel der Befragten hielten die Berichterstattung der etablierten Medien demnach für vertrauenswürdig. "Mich hat das auch ein bisschen überrascht", räumte Schultz ein.

Betrachte man die Studie im Detail, stelle sich allerdings auch heraus, dass die Menschen die Medien nicht "als die großen Heilsbringer" wahrnähmen: "Sie werden durchaus auch kritisch betrachtet". So habe fast ein Drittel der Befragten angegeben, dass viele Medienberichte zu einseitig seien, 40 Prozent hätten die Meinung vertreten, dass die Medien zu viel über Corona berichten würden. Bei einem sinkenden Vertrauen in die Politik könnten auch die Medien mitbetroffen sein, mahnte Schultz.

"Ein bisschen zu unkritisch"

Er selbst sei der Ansicht, dass "in den ersten Monaten der Pandemie, im letzten Jahr, die Medien einfach ein bisschen wenig recherchiert haben, ein bisschen zu unkritisch waren und zuwenig Vielfalt der Meinungen zugelassen haben".

Jüngere vor allem digital unterwegs

Bei den jüngeren Bevölkerungsgruppen habe sich die Mediennutzung im Übrigen radikal gewandelt: Lineares Fernsehen oder die klassische Zeitung würden in dieser Gruppe "so nicht mehr konsumiert", denn die Jüngeren setzten auf digitale Ausspielwege. "Das ist natürlich dann auch viel individueller und flexibler", erklärte Schultz. Trotzdem seien auch bei den Jüngeren die Vertrauenswerte in etablierte, traditionelle Marken noch "recht hoch". Damit diese "Vertrauensgrundbasis" nicht abreiße, müssten die Medien aber noch "sehr, sehr viel tun".


Der SR 2-ProgrammTipp:

Samstag, 10. April 2021 15.20 Uhr: Medien - Cross und Quer
Vertrauen weg – Medien schuld? Journalismus in der Pandemie
Maskenaffäre, Impfprobleme, Regelungschaos - die Negativschlagzeilen häufen sich. Zeichnen die deutschen Medien mittlerweile ein zu düsteres Bild der politischen Lage im Land? Müssten Zeitungen, Radiosender und Fernsehmagazine mehr Hoffnung machen? Das Thema in "Medien - Cross und Quer" am 10. April.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 09.04.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt einen Zeitungskiosk in Düsseldorf (Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Schoening | Bildagentur-online/Schoening).

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja