ITB 2021: Reisebranche vor großem Umbruch?

Reisebranche vor großem Umbruch?

Ein Gespräch mit rbb-Reporter Michael Castritius über Trends auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin 2021

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   12.03.2021 | 06:55 Uhr

Nach Einschätzung von rbb-Beobachter Michael Castritius bereitet sich die Tourismusbranche im Zuge des Corona-Schocks auf eine ganz andere Zukunft vor: Nachhaltiger, klimafreundlicher und sicherer sollen die Angebote werden. Der Massentourismus aber werde nicht aussterben. Ein Interview.

Wie viele andere Großveranstaltungen hat auch die Internationale Tourismusbörse Berlin (ITB), eigentlich das weltgrößte Treffen der Reisebranche, im März 2021 ausschließlich digital stattgefunden. Offenbar bereitet sich die Branche im Zuge des Corona-Schocks auf eine ganz andere Zukunft vor: Auch 2022 soll es nur eine "hybride" Ausgabe der Messe mit einem virtuellen Anteil geben, kündigte rbb-Beobachter Michael Castritius im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit an.

Urlauber "sensibler geworden"

Viele Teilnehmer seien außerdem davon überzeugt, dass die Reise-Nachfrage künftig eine völlig andere als vor der Krise sein werde, so Castritius. Sie gingen nämlich davon aus, dass Die Menschen "sensibler" geworden seien, was Nachhaltigkeit, Klimaschutz und sicheres Reisen betreffe. "Und wenn die Kunden andere Reisen wollen, dann wollen die Unternehmen das natürlich auch anbieten", sagte Castritius.

Für mehr Nachhaltigkeit

So könnte sich nach Bekenntnissen der Unternehmer die Lebensmittelversorgung im Hotel oder Ressort ändern: Kleinere, lokale Produzenten sollen bevorzugt mit der Lieferung von Essen und Getränken beauftragt werden, es soll weniger Plastik verwendet und auch die Bauvorhaben sollen "klimafreundlicher" gestaltet werden - Stichwort Sonnenenergie.

Massentourismus wird bleiben

Waikiki Beach (Foto: SR/Karl Teuschl)
Sonnenschirme am Waikiki Beach (Archivfoto: SR/Karl Teuschl)

Gleichwohl stehe die Branche weiter auch zum Massentourismus: Nach den riesigen Umsatz- und Gewinneinbrüchen des Corona-Jahrs 2020 wolle man schließlich wieder "Marktanteile gewinnen", denn immerhin seien im vergangenen Kalenderjahr die Urlaubsreisen um 71 Prozent eingebrochen. Aber ein nachhaltigeres Angebot müsse eben "nicht unbedingt teurer werden".

Kuriosum am Rande: Die kubanische Regierung beabsichtige wohl, Touristen mit ihrem eigens entwickelten Impfstoff "Soberana" für den Urlaub auf die Insel zu locken, berichtete Castritius.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 12.03.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt einen Strand auf der Insel Maui (Archivfoto: SR Fernsehen/Karl Teuschl).

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