"Damit endlich, endlich die Kinder wieder 'rauskommen"

"Damit endlich, endlich die Kinder wieder 'rauskommen"

Ein Gespräch mit Johannes Kopkow vom Landessportverband für das Saarland (LSVS) über die Situation von Sportvereinen und Kindern im Lockdown

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   09.03.2021 | 07:45 Uhr

Johannes Kopkow vom Landessportverband für das Saarland wünscht sich in der Politik einen anderen Blickwinkel für den Vereinssport: Die "Treiber der Pandemie" finde man erwiesernermaßen "nicht beim Sport und auch nicht bei den Kindern", sagte Kopkow im SR-Interview.

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Seit dem 8. März ist auch im Saarland wieder ein wenig mehr Sport erlaubt - sofern bestimmte Inzidenz-Grenzwerte nicht überschritten werden. Bei einer Inzidenz von unter 100 darf man zu zweit Sport treiben; auch bis zu zehn Kinder können dann wieder im Freien zusammen toben.

"Das ist natürlich aber nicht das, was wir uns vorstellen, auch nicht für unsere Kinder und Jugendlichen", sagte Johannes Kopkow, Diplom-Kaufmann für Sportmanagement und Sportvorstand des Landessportverbands für das Saarland (LSVS), im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. Trotzdem gelte es nun, diesen "ersten Hoffnungsschimmer am Horizont" zu nutzen, "damit endlich, endlich die Kinder wieder 'rauskommen".

"Großer schwerer Stein auf dem Herzen"

Saarländische Fachverbände und deren Vereine hätten bereits "viele Initiativen" auch virtueller Natur auf die Beine gestellt, lobte Kopkow. Digitale Angebote könnten aber "auf lange Frist" nicht das Ziel sein. "Mit 'nem großen, großen schweren Stein auf dem Herzen" mache Sport treiben "vielleicht nicht so den Spaß, den der Sport sonst machen sollte", sagte Kopkow mit Blick auf den seit über vier Monaten anhaltenden Lockdown.

Sport und Kinder nicht "Treiber der Pandemie"

Johannes Kopkow (Foto: LSVS/Pressefoto)
Johannes Kopkow (Pressefoto: LSVS)

Er würde sich "einen ganz anderen Blickwinkel" auf den Sport wünschen: "Wo sind eigentlich die Treiber der Pandemie? Erwiesernermaßen nicht beim Sport und auch nicht bei den Kindern", stellte Kopkow fest. Wenn die Schulen unter Test-Auflagen wieder geöffnet hätten, "warum nicht darüber nachdenken, diese Tests auch für den Sport zu nutzen, damit zumindest die Kinder wieder auch Kontaktsport, Judo etc., Indoor-Sport, wieder betreiben können", fragte Kopkow. Denn irgendwann werde es langweilig, nur "draußen zu laufen".

Pläne für Fußball "nicht richtig ausgearbeitet"

Mit den aktuellen Plänen der Regierung, Amateurfußball ab dem 22. März wieder zuzulassen, sofern alle Beteiligten einen negativen tagesaktuellen Corona-Schnelltest vorlegen könnten, zeigte sich Kopkow ebenfalls nicht glücklich: "Das ist tatsächlich ein großes Problem, auf das wir da zusteuern", sagte Kopkow: "Wer soll das machen? Wer soll das kontrollieren? Wie kann eine Nachverfolgung ablaufen?" All das sei "schwierig" und "nicht richtig ausgearbeitet". Die Politik müsse hier den Ansatz verfolgen, den Vereinen Hilfestellung zu leisten.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 09.03.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Kinder bei einer Radtour durch den Wald (Archivfoto: SR Fernsehen).

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