Gender Pay Gap: "Häufig sind das Lebensentscheidungen von Frauen"

"Häufig sind das Lebensentscheidungen von Frauen"

Ein Gespräch mit Karin Mayer aus der SR-Wirtschaftsredaktion über die Hintergründe der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   08.03.2021 | 11:57 Uhr

Zum Weltfrauentag 2021 ist der "Gender Pay Gap" - also der Unterschied der Durchschnittseinkommen von Männern und Frauen ungeachtet von Branchen, Berufen und Positionen - offenbar leicht geschrumpft. Für Karin Karin Mayer aus der SR-Wirtschaftsredaktion hängt das nicht nur vom Arbeitsmarkt, sondern auch auch von persönlichen Entscheidungen der Betroffenen ab.

Kurzarbeit und Einkommenseinbußen durch die Corona-Beschränkunggn haben in den vergangenen Monaten offenbar für niedrigere Einkommen auch bei Männern gesorgt. Der Abstand des "Gender Pay Gap" - also der Unterschied der Durchschnittseinkommen von Männern und Frauen ohne Berücksichtigung von Branchen, Berufen und Positionen - ist dadurch auf nur noch knapp unter 20 Prozent leicht geschrumpft.

Branchen unterschiedlich bezahlt

Karin Mayer aus der SR-Wirtschaftsredaktion erklärt die Unterschiede auch mit den unterschiedlichen Vergütungen in bestimmten Branchen. So sei die Bezahlung in jenen Wirtschaftszweigen, in die vor allem Männer strebten - also etwa die Metall- oder Elektroindustrie - schlicht besser als in Branchen, die von Frauen bevorzugt würden - wie etwa im Gesundheits- und Sozialwesen, im Handel oder im verarbeitenden Gewerbe.

Die Macht der Gewerkschaften

Als Grund dafür nannte Mayer die höhere Bereitschaft von Männern, sich an ihrem Arbeitsplatz gewerkschaftlich zu organisieren und dadurch höhere Tariflöhne durchsetzen zu können. In Branchen, in den Frauen überrepräsentiert seien, gebe es traditionell weniger Gewerkschaftsmitglieder: "Klingt wie ein Klischee, ist aber so", sagte Mayer.

Mehr Frauen in Teilzeit

Zudem arbeiteten Frauen häufiger in Teilzeit und sparten sich die Gewerkschaftsbeiträge, während Männer "fast ausschließlich in Vollzeit beschäftigt seien". Wer lediglich in Teilzeit arbeite, habe allerdings schlechtere Aufstiegs- und Einkommensperspektiven - und damit letztlich auch nur Anspruch auf eine geringere Altersversorgung.

Entscheidungen und Angebote

"Fakt ist auch: Häufig sind das Lebensentscheidungen von Frauen, die sagen: 'Ich will mich ja um die Kinder kümmern oder ich kümmere mich um die Angehörigen, die man pflegen muss' ". Zudem hätten auch jüngere Leute Schwierigkeiten, überhaupt eine Vollzeitstelle zu bekommen - und deswegen nebenbei in Minijobs arbeiteten.

Corona als Chance für Pflegeberufe

Mayer sieht durch die Corona-Krise eine Chance für die Pflegeberufe, eine bessere Bezahlung durchzusetzen: "Es wächst jetzt auch der Druck, dass diese Arbeit auf Dauer anders bezahlt werden muss". Jetzt seien "Gewerkschaften und auch die Bundespolitik" gefragt, "dranzubleiben".


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 08.03.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbld ganz oben zeigt Pflegepersonal im Universitätsklinikum Homburg (Archivbild: SR Fernsehen).

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