Frauenquote: "Die Gelegenheit zu zeigen, wie gut du es kannst"

"Die Gelegenheit zu zeigen, wie gut du es kannst"

Ein Gespräch mit Prof. Paula-Irene Villa, Expertin für Allgemeine Soziologie und Gender Studies an der Ludwig-Maximilians-Universität München, über Frauenquoten in deutschen Vorstandsetagen

Sonja Marx. Onlinefassung: Rick Reitler   25.02.2021 | 08:45 Uhr

Die Soziologin Prof. Paula-Irene Villa hat sich im SR-Interview für das Gesetz für eine Frauenquote in deutschen Vorstandsetagen stark gemacht. Ein "Job per Quote" sei besser als "gar kein Job". Denn in den Auswahlverfahren neigten die Menschen dazu, stets nur "ihresgleichen" zu rekrutieren.

Im Vorstand eines börsennotierten Unternehmens muss mindestens eine Frau sitzen, wenn das Gremium mehr als drei Mitglieder hat - so will es ein Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom Januar 2021. Am 25. Februar 2021 kommt das Papier nun zur ersten Abstimmung in den Bundestag.

"Job per Quote besser als gar kein Job"

Auch Prof. Paula-Irene Villa, Professorin für Allgemeine Soziologie und Gender Studies an der Ludwig-Maximilians-Universität München, findet das Vorhaben richtig: "Das Argument 'Lieber keine Quotenfrau' finde ich verständlich", räumte sie im Gespräch mit SR-Moderatorin Sonja Marx ein. Dennoch sei ein "Job per Quote besser als gar kein Job". Denn niemand bekomme "einen 'Quotenjob', ohne genau für diesen Job bestmöglich in einer Konkurrenz eines Auswahlverfahrens wirklich entsprechend befähigt zu sein", so Villas Einschätzung. Für sie bedeute die Frauenquote in Vorstandsetagen letztlich so etwas wie "die Gelegenheit zu zeigen, wie gut du es kannst".

Stereotype und Vertrautheit

Die Forschung zeige, dass "Menschen in Führungspositionen" bei der Auswahl einer Bewerberin oder eines Bewerbers dazu neigten, "entgegen aller Absichten" und "wider besseren Wissens" eher "ihresgleichen" einzustellen. Stereotype (die Frau als potenzielle Mutter) und die Vertrautheit ("Homophilie") spielten aus psycholgischer Sicht daher eine große Rolle bei der Auswahl. Beides zusammen führe immer wieder dazu, "dass sich sozusagen derselbe 'Typus', dieselben Personengruppen, sich wechselseitig in solche Jobs rekrutieren", so Villa. Es bedürfe aus ihrer Sicht aber einem Mehr an Vielfalt.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 25.02.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt die Beine mehrerer männlicher und eines weibliches Vorstandsmitglieds (Archivfoto: picture alliance/dpa | Oliver Berg).

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