"Die Leute wollen einfach raus aus dieser Situation"

"Die Leute wollen einfach raus aus dieser Situation"

Ein Gespräch mit Hauptstadt-Korrespondentin Barbara Kostolnik nach der Gesundheitsministerkonferenz vom 22. Februar 2021

Sonja Marx. Onlinefassung: Rick Reitler   23.02.2021 | 07:45 Uhr

Nach Einschätzung von Hauptstadt-Korrespondentin Barbara Kostolnik steckt die Politik in Deutschland "in einem sehr echten Dilemma" zwischen Mutationenausbreitung und gesellschaftlichem Leidensdruck. Zudem gebe es auch nach dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz noch keinen Impftermin für Lehrkräfte und Kita-Personal. Ein Interview.

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Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seine für Anfang März geplanten Gratis-Schnelltests für alle doch noch verschieben musste, hat er sich am 22. Februar dafür ausgesprochen, dass Lehrkräfte und Kita-Personal an Grund- und Förderschulen schneller geimpft werden sollen.

Warten bis April

Ein Startttermin für sie steht allerdings noch nicht fest: "Es müssen natürlich erstmal alle aus der Priorisierungsgruppe 1, also die über Achtzigjährigen und das medizinische Personal, das mit Corona zu tun hat, engen Kontakt hat, die müssen erstmal durchgeimpft sein", bestätigte Hauptstadt-Korrespondentin Barbara Kostolnik im Gespräch mit SR-Moderatortin Sonja Marx. Kostolnik geht davon aus, dass die Priorisierungsgruppe 2, zu der demnächst eben auch die Pädagoninnen und Pädagogen an Grund- und Förderschulen gehören sollen, erst "ungefähr Anfang April dann ein erstes Impfangebot" bekommen werde.

Spahn musste "zurückrudern"

Berlin, Bundespressekonferenz, 22. Januar 2021: Jens Spahn (CDU,l), Bundesminister für Gesundheit, und Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie, Charité Berlin (Foto: picture alliance/dpa/Reuters Pool | Fabrizio Bensch)
Archivbild vom 22. Januar 2021: Jens Spahn (CDU,l), Bundesminister für Gesundheit, und Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie, Charité Berlin (Foto: picture alliance/dpa/Reuters Pool | Fabrizio Bensch)

Die Gesundheitsministerkonferenz habe bei ihrer Entscheidung einige Probleme zu bedenken gehabt - nämlich die aktuelle Impfstoff-Knappheit, der Leidensdruck der Kinder und die sozialen Spannungen. Dass Jens Spahn nach seiner Ankündigung vom 16. Februar, "kostenlose Schnelltests für alle" ab März bereitzustellen, nun wieder habe "zurückrudern" müssen, sein "auch so ein Ding". Es sei weder geklärt, wie die Kosten gedeckt, noch wie die Umsetzung geschehen könne, sagte Kostolnik.

"Echtes Dilemma"

Auch Bundeskanzlerin Merkel und alle anderen Politikerinnen und Politiker steckten inzwischen "in einem sehr echten Dilemma": Einerseits hätten wir "diese Mutationen, die zunehmen, die um sich greifen" - andererseits gebe es die "Ungeduld" und den sich aufbauenden "Leidensdruck" bei den Menschen: "Die Leute wollen einfach raus aus dieser Situation", so Kostolnik.

Angst vor "Jojo-Effekt"

Die Angst der Verantwortlichen vor einem "Jojo-Effekt" von Lockerungen und Lockerungsrücknahmen sei "eben sehr groß". Deswegen werde aktuell nur eine "vorsichtige vorsichtige Öffnungsstrategie" diskutiert, in der "diese Schnelltests und diese Apps-Tests" eine große Rolle spielten. Selbsttests seien in Deutschland ja noch gar nicht verfügbar, weil diese "erst zertifiziert werden" müssten, gab Kostolnik zu bedenken.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 23.02.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt ein Schild mit der Aufschrift "Stammtisch reserviert" auf dem leeren St. Johanner Markt in Saarbrücken (Archivfoto: Sebastian Knöbber).

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