Afghanistan: Hoffen auf eine einvernehmlichen Lösung

Hoffen auf eine einvernehmlichen Lösung

Ein Gespräch mit Ellinor Zeino, der Leiterin des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kabul, über die Lage in Afghanistan am Morgen des 17. Februar 2021

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   17.02.2021 | 07:15 Uhr

Aus Sicht von Ellinor Zeino von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kabul gibt es nur eine Lösung zur Deeskalation der Gewalt in Afghanistan: Die USA müssten mit den Taliban einen neuen Zeitplan für den Truppenauszug über den 1. Mai hinaus aushandeln. Doch das werde "ein zäher Prozess" sein, so Zeino im SR-Interview.

Die internationale "Militärintervention" in Afghanistan dauert nun bereits fast 20 Jahre an. Auch Deutschland hat bisher beinahe 160.000 Soldatinnen und Soldaten in das schwer gebeutelte südasiatische Land entsandt. Doch wenige Monate vor dem geplanten Abzug gibt es noch immer Anschläge durch die Taliban; Verhandlungen zwischen ihren Vertretern und der afghanischen Regierung kommen nur schleppend voran.

"Lage wirklich ziemlich angespannt"

Aus Sicht von Ellinor Zeino, der Leiterin des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kabul, ist die aktuelle Sicherheitslage "wirklich ziemlich angespannt". Es gebe in der Hauptstadt täglich "mehrere kleinere Anschläge" und "gezielte Tötungen", die sich vor allem gegen "Sicherheitskräfte, Leute aus der Zivilgesellschaft und Journalisten" richteten, sagte Zeino im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding. Die Terror-Akte hätten in letzter Zeit "deutlich zugenommen".

Taliban vs. USA

Sie gehe deshalb davon aus, dass man die "Truppen länger im Land" lassen werde als bis zum ursprünglich geplanten 1. Mai 2021. Die Vereinigten Staaten hätten dies mit der Einschätzung begründet, "dass der gesamte Friedensprozess" sich verzögert habe und die "Taliban sich nicht an ihre Vereinbarungen" gehalten hätte, so Zeino. Die Taliban ihrerseits hätten bereits angekündigt, die Gewalt weiter hochzufahren, sollte das ausländische Militär nicht bis Ende April abgezogen sein."Es besteht auch das Risiko, dass sie sich vom Doha-Friedensprozess dann auch vollständig verabschieden", sagte Zeino.

Auf der Suche nach dem Kompromiss

Das aus ihrer Sicht einzige mögliche bzw. beste Lösungsszenario sei, dass die USA mit den Taliban noch eine einvernehmliche Einigung fänden, um die Truppen zwar "noch eine Weile länger im Land zu lassen", aber die Taliban überzeugen könnten, dabei keine bösen Absichten zu verfolgen - kurz: Ein einvernehmlich ausgehandelter neuer Zeitplan müsse her. "Das wird ein zäher Prozess ein", sagte Zeino voraus.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 17.02.2021 auf SR 2 KultuRadio. Das Archivbild ganz oben zeigt afghanische Soldaten, die am 25.01.2021 an einer Militäroperation im Bezirk Zhari in der Provinz Kandahar teilnehmen (Foto: picture alliance/dpa/XinHua | Sanaullah Seiam).

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