Deutschland: Vom Musterschüler zum Meister der Ineffizienz

Vom Musterschüler zum Meister der Ineffizienz

Eine Analyse des Corona-Krisenmanagements in Deutschland von SR-Hauptstadtkorrespondent Uli Hauck

Onlinefassung: Rick Reitler   17.02.2021 | 06:15 Uhr

2020 stand Deutschland aus internationaler Sicht noch ganz gut da in Sachen Corona-Krisenmanagement: Nach monatelangem harten Lockdown aber hat sich der Eindruck gewandelt, das Vertrauen in die Politik scheint zu sinken. SR-Hauptstadtkorrespondent Uli Hauck hat nach Gründen für den Abstieg gesucht.

Praktisch das ganze Jahr 2020 über stand die Bundesrepublik Deutschland aus internationaler Sicht noch glänzend da in Sachen Corona-Bekämpfung: Mit niedrigen Infektionszahlen und vergleichsweise großen Freiheiten.

Kritik am Krisenmangement

Inzwischen aber hat sich der Eindruck gewandelt: Die Winter-Welle war heftig, die Impfungen kommen nicht recht voran, bei den Wirtschaftshilfen gibt es in den Augen von Kritikern statt Bazooka eher Rohrkrepierer.

"Es hapert bei der Umsetzung", meint beispielsweise der Ökonom Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung - und fordert "mehr Konsequenz bei den Wirtschaftshilfen". Und SR-Hauptstadtkorrespondent Uli Hauck ergänzt: "Das Corona-Krisenmanagement ist oft zu langsam, bürokratisch und ineffizient."

Gefahr unterschätzt, Menschen überfordert

Nach Ansicht von Hauck hätten einige Länderchefs die Gefahr der Pandemie 2020 noch "völlig unterschätzt", so dass Deutschland nun im "harten Dauer-Lockdown" bis mindestens zum 7. März stecken werde - mit überwiegend geschlossenen Schulen, Kitas und Geschäften. "Viele Menschen sind damit mittlerweile überfordert", stellte Hauck fest.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 17.02.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) (Archivfoto: SR Fernsehen).

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