Kommentar: Bachmann verspielt Vertrauen

Bachmann verspielt Vertrauen

Ein Kommentar von SR-Landespolitikredakteur Janek Böffel

  17.02.2021 | 12:50 Uhr

Die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann hat genau das Gegenteil von dem bewirkt, was sie wollte, als sie im Landtag vorschnell ihrem Ärger über geplatzte Impftermine bei medizinischem Personal Luft machte: Sie hat das Vertrauen in das Impfen beschädigt, meint Janek Böffel von der SR-Landespolitikredaktion. Ein Kommentar.

Janek Böffel (Foto: SR/Pasquale D'Angiolillo)
Janek Böffel (Foto: SR/Pasquale D'Angiolillo)

Sie hätte noch ein wenig schweigen können. Sich noch ein paar Stunden gedulden können, bis Fakten auf dem Tisch liegen. Doch sie hat es nicht getan. Monika Bachmann hat in ihrer Aufregung jegliche Zurückhaltung fahren lassen und im Landtag zu einem Rundumschlag ausgeholt, der am Ende alle beschädigt dastehen lässt - auch und vielleicht zuvorderst sie selbst.

Da sind natürlich einmal die Ärzte. Da stellt sich eine Gesundheitsministerin inmitten unsicherer Faktenlage hin uns schießt gefühlt der gesamten Ärzteschaft vor den Bug. Unzuverlässig, wählerisch und zu alledem halten sie es noch nicht mal für nötig, Termine abzusagen, polterte Bachmann. Das wird nicht ohne Spuren im Verhältnis bleiben.

Gefahr für die Impfbereitschaft

Doch geschenkt. Viel fataler an Bachmanns Rundumschlag war ein anderer Vorwurf, die Frage nach dem Impfstoff. Und diese Sätze könnten mehr als atmosphärische Spannungen nach sich ziehen. Bachmanns hoffentlich unbedachten Äußerungen sind eine Gefahr für die Impfbereitschaft hierzulande. Und nur um es noch einmal vor Augen zu rufen: einer Impfbereitschaft, die für unser aller weiteres Leben mit diesem Virus ganz entscheidend sein wird, die im Mittelpunkt aller langfristigen Pläne steht.

Der schwerwiegendste Vorwurf in Bachmanns Anklage war nämlich nicht die Frage nach dem Termin, es war diese Aussage: Die Hälfte der saarländischen Ärzteschaft möchte nicht mit AstraZeneca geimpft werden. Also ausgerechnet diejenigen, die uns alle impfen sollen, wollen den Impfstoff nicht, mit dem sie uns impfen sollen.

"Kommunikativer Super-Gau"

Man müsste sich das einmal vor Augen führen: Auf der einen Seite tausende Saarländerinnen und Saarländer auf den Impflisten, die sehnsüchtig auf Nachricht warten, wann sie denn endlich dran sind. Und auf der anderen Seite soll der Widerwillen gegen AstraZeneca bei den Medizinern so groß sein, dass sie dann lieber gar nicht geimpft werden. Das war die Botschaft, die Bachmann in die Welt geschickt hat. Schon mit Indizien schwer vertretbar, ohne stichhaltige Beweise ein kommunikativer Super-Gau.

Was hängen blieb

Sie hat genau das Gegenteil von dem bewirkt, was sie wollte: Sie hat das Vertrauen in das Impfen beschädigt. Ihre Intention mag eine andere, ja sogar gegenteilige gewesen sein, doch was Bachmann wollte ist einerlei, hängen blieb: Der Impfstoff, den selbst die Ärzte nicht wollen.

Mittlerweile wissen wir längst, es war nicht die Unlust auf diesen Impfstoff, sondern vor allem eine hakende Kommunikation. Doch da war Bachmanns Botschaft längst aus dem Landtag in die Welt geschickt.

Zweifel gesät

Dass am Ende auch Bachmanns Ministerium offenbar nicht frei von Schuld am Termin-Chaos war, geschenkt. Es geht bei dieser Angelegenheit nicht darum, wer eine SMS verschickt, wer sich nicht rückgemeldet, wer seinen Termin verpasst hat. Das muss Bachmann mit der Ärzteschaft ausmachen. Es geht darum, dass eine Gesundheitsministerin in ihrem ungebremsten Furor über diesen verpassten Impftermin Zweifel an einem der wichtigsten Impfstoffe sät. Ohne stichhaltige Beweise, inmitten einer ohnehin schon schwelenden Impfdebatte und vor sich hin köchelnder Skepsis an AstraZeneca, dem Impfstoff, mit dem ein großer Teil von uns allen geimpft werden soll.

Und was am Ende hängen bleiben wird, ist das: Zweifel. Nicht berechtigte Zweifel, wie die Frage nach der Wirksamkeit gegen die südafrikanische Mutation oder die Frage danach, ob wer damit geimpft, noch andere Menschen anstecken kann. Sondern Zweifel geschürt ohne stichhaltige Beweise, von einer Gesundheitsministerin, deren Aufgabe es eigentlich ist, dass das mit dem Impfen läuft.


Hintergrund:

Impfung für medizinisches Personal
Viele Sonder-Impftermine nicht wahrgenommen
Die saarländische Gesundheitsministerin Bachmann hatte am Montag das Nichterscheinen von medizinischem Personal zu Sonderimpfterminen kritisiert. Dem widersprechen die Kassenärztliche Vereinigung und der Saarlouiser Landrat Lauer: Der Grund waren demnach vor allem organisatorische Probleme mit den Terminen.

Video [aktueller bericht, 16.02.2021, Länge: 3:58 Min.]
Diskussionen um Impfstoff von AstraZeneca
Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca galt als Hoffnungsträger. Dann kamen Zweifel an der Wirksamkeit, vor allem bei älteren Menschen und in Bezug auf die Mutationen. Gesundheitsministerin Monika Bachmann bestätigt Vorbehalte gegen den Impfstoff, verweist aber auf die bewiesene Wirksamkeit.


Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 17.02.2021 auf SR 2 KulturRadio.

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