Altmaier in der Defensive

Altmaier in der Defensive

Ein Gespräch mit Hauptstadt-Korrespondentin Franka Welz nach dem virtuellen Corona-Wirtschaftsgipfel der Bundesregierung

Thomas Shihabi. Onlinefassung: Rick Reitler   16.02.2021 | 15:10 Uhr

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat sich gegenüber seinen Kritikern, die eine Öffnungsperspektive forderten, mit Verweis auf das Risiko einer "Dritten Welle" verteidigt. Für den Saarländer stünden die Interessen der Wirtschaft eben "nicht automatisch über dem Gesundheitsschutz", meint Hauptstadt-Korrespondentin Franka Welz.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat sich auf der Wirtschaftsgipfel-Schalte gegen die immer schärfer werdende Kritik von Lockdown-Betroffenen aus nahezu allen Branchen gewehrt: Die Wirtschaft könne im Fall einer "Dritten Welle" ohnehin nicht florieren. Zudem entscheide nicht er selbst allein über die Corona-Politik, so der Saarländer.

Nicht Altmaier allein

Hauptstadt-Korrespondentin Franka Welz gab ihm im Interview mit SR-Moderator Thomas Shihabi recht: Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die 16 Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder hätten sich ja auf eine Verlängerung des Lockdowns ohne festes Ausstiegsszenario verständigt.

Gesundheitsschutz vor Wirtschaft

Altmaier gehöre außerdem "zu den eher Vorsichtigen mit Blick auf den Umgang mit der Pandemie", sagte Welz: Für den Wirtschaftsminister stünden die Interessen der Wirtschaft eben "nicht automatisch über dem Gesundheitsschutz".

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Ein Thema u. a. in der Sendung "Bilanz am Mittag" am 16.02.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt Demonstratinnen und Demonstranten in Berlin, die Plakate mit der Aufschrift "Die Wirtschaft stirbt" hochhalten (Archivoto: picture alliance/dpa | Annette Riedl).

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