Ein historischer Blick aufs Thema Impfen

Ein historischer Blick aufs Thema Impfen

Ein Gespräch mit dem Medizinhistoriker Prof. Dr. Karl-Heinz Leven, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Roland Kunz. Onlinefassung: Rick Reitler   12.02.2021 | 14:35 Uhr

Wenn eine Impfung in der Geschichte "überzeugend" gewirkt habe, hätten die Menschen sich auch immer gerne impfen lassen, erklärte der Medizinhistoriker Prof. Karl-Heinz Leven im SR-Interview. Deshalb habe man es mit Ausnahme der DDR in Deutschland stets vermieden, eine Impfpflicht einzuführen.

Die Angst vor neuartigen Medikamenten oder Impfstoffen ist weit verbreitet. "Impfskeptiker hat es immer schon gegeben", bestätigte der Medizinhistoriker Prof. Dr. Karl-Heinz Leven vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Gespräch mit SR-Moderator Roland Kunz. Doch das sei "kein Indikator für den Erfolg einer Impfung".

Wenn der Erfolg recht gibt

Eine Impfung wirke "dadurch, dass sie in ihrer breiten Anwendung dazu führt, dass die Krankheiten, gegen die man impft, verschwinden", stelle Leven klar. Das sei "immer der entscheidende Punkt", den eine Impfung eben beweisen müsse.

Wenn eine Impfung in diesem Sinne "überzeugend" gewirkt habe, dass die Menschen wüssten, damit eine "Krankheit zuverlässig vermeiden" zu können, dann hätten die Menschen sich und ihre Kinder auch immer gerne impfen lassen - wie etwa im Fall der inzwischen ausgerotteten Pocken. Deshalb habe man es mit Ausnahme der DDR in Deutschland seit 1874 auch stets vermieden, eine Pflicht zur Impfung einzuführen - "selbst in Weimar, im Dritten Reich, aber später auch in der Bundesrepublik".

Abriegelung als Schutz

Absperrungsmaßnahmen - wie etwa die Quarantäne - wirkten ebenfalls gegen die Verbreitung einer Krankheit: "Man kann tatsächlich die Ansteckung eindämmen", sagte Leven. Das habe man bereits im späten 14. Jahrhundert erkannt. Kontrollieren könne man eine Krankheit damit allerdings nicht wirklich: "Das liegt auf der Hand."


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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Nachmittag" am 12.02.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt ein Medikamentenregal in einer Apotheke (Archivfoto: SR Fernsehen).

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