Sorgt die "Bodenwertsteuer" für bezahlbaren Wohnraum?

Kann die "Bodenwertsteuer" für bezahlbaren Wohnraum sorgen?

Ein Beitrag zum SR-Rechercheprojekt "Wem gehört das Saarland?"

Linda Grotholt. Onlinefassung: Rick Reitler   02.02.2021 | 06:45 Uhr

Der Trierer Ökonomie-Professor Dirk Löhr setzt sich für eine größere kommunale Bautätigkeit auf dem Mietwohnungsmarkt und für die Umgestaltung der Grundsteuer zu einer "Bodenwertsteuer" ein, um die Mieten bezahlbar zu halten. Was hinter der Idee steckt, erklärt Linda Grotholt aus dem SR-Rechercheteam.

Bezahlbares Wohnen ist auch im eher ländlich geprägten Saarland schon längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Das hängt auch mit internationalen Immobilienfonds zusammen, die auf den Wohnungsmarkt drängen.

Der Trierer Wirtschaftswissenschaftler und Immobilien-Experte Prof. Dirk Löhr fordert, dass den Mietpreissteigerungen von kommunalpolitischer Seite her etwas entgegengesetzt wird. Er plädiert dafür, dass Städte und Gemeinden wieder selbst mehr bauen, und für die Ausgestaltung der Grundsteuer als "Bodenwertsteuer".

Bodenwert = Gemeinschaftsleistung

Die Idee dahinter: Nicht der Beton eines Wohnhauses gewinnt im Lauf der Zeit an Wert, sondern der Boden, auf dem es steht. Diese Wertsteigerung resultiere einerseits aus der technischen Infrastruktur wie Stromleitungen oder Straßen, andererseits aus "sozialer Infrastruktur" - wie etwa Krankenhäuser oder Schulen in der Nähe.

Der auf diese Weise erzeugte Bodenwert bzw. die Wertsteigerung des Bodens werde aber nicht von einem Immobilien-Investor, sondern von der Allgemeinheit finanziert: "Das machen wir, Sie und ich, von unseren Steuergeldern", erklärte Löhr im Gespräch mit Linda Grothold vom SR-Rechercheteam.

Kosten beim Steuerzahler, Nutzen beim Eigentümer

Die den Infrastruktur-Kosten zu Grunde liegenden Steuerarten - etwa die Mehrwertsteuer oder die Lohnsteuer - belasteten eben Privatpersonen, nicht aber den Grundeigentümer.

Eine Mieterin oder ein Mieter werde auf diese Weise gleich doppelt zur Kasse gebeten - nämlich erstens als Steuerzahler für den Ausbau bzw. die Instandhaltung der umgebenden Infrastruktur, und zweitens per Mietkostensteigerung, wenn die eigene Steuerleistung dann zu einer Wertsteigerung des Bodens bzw. seiner Wohn-Immobilie geführt habe. Der Immobilieneigentümer könne sich dagegen bei alldem einfach "schlafen legen, und wenn er aufwacht, ist er wieder reicher geworden", sagte Löhr.

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Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" am 01.02.2021 auf SR 2 KulturRadio.

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