Soldaten stehen Wache auf einer Straße in Naypyitaw in Myanmar (Foto: picture alliance / dpa /AP)

Überraschender Militärputsch

Ein Gerspräch mit Frederic Spohr von der Friedrich-Naumann-Stiftung

  01.02.2021 | 18:46 Uhr

Sechs Jahre nach den ersten demokratischen Wahlen in Myanmar seit langer Zeit hat das Militär in der Nacht zum 1. Februar wieder die Macht in dem asiatischen Land übernommen. Für viele Beobachter wie Frederic Spohr von der Friedrich-Naumann-Stiftung kam der Putsch überraschend.

Interview mit Frederic Spohr zum Putsch in Myanmar
Audio [SR 2, (c) SR, 01.02.2021, Länge: 04:40 Min.]
Interview mit Frederic Spohr zum Putsch in Myanmar


Sechs Jahre sind sie her, die ersten demokratischen Wahlen in Myanmar – nach jahrzehntelanger Militärdiktatur. Aung San Suu Kyi, Friedensnobelpreisträgerin und lange Zeit Ikone der Demokratie in Myanmar, wurde Regierungschefin. Anfangs gefeiert, wurde sie später kritisiert für ihr Schweigen, als die muslimische Minderheit der Rohingya systematisch vom Militär vertrieben wurde. UN-Experten sprachen von Völkermord.

Militärputsch in der Nacht zum 1. Februar

Wirklich weg von der Macht war das Militär in Myanmar nie – und hat in der Nacht zum 1. Februar diese Macht und die Kontrolle über das Land wieder übernommen. SR-Politikredakteurin Katrin Aue hat mit Frederic Spohr, dem Leiter des Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung für Thailand und Myanmar darüber gesprochen, was dieser Putsch für die Demokratie in Myanmar bedeuten könnte.

„Vor zwei Wochen schien dieser Putsch noch undenkbar“

Nach Einschätzung von Frederic Spohr kam der Putsch des Militärs überraschend. Zwar habe es in der vergangenen Woche einige Andeutungen gegeben – das sei aber von keiner Seite wirklich ernst genommen worden. Auch er habe nicht damit gerechnet, dass die Armee die Lage tatsächlich eskalieren würde, so Spohr. Mit Blick auf die Demokratisierung des Landes sei der Putsch „ein Schritt zurück“. Ob das Militär den verhängten Notstand wie angekündigt nach einem Jahr wieder aufhebe, sei fraglich.

Vorwürfe des Wahlbetrugs „nicht beweisbar“

Die Armee hatte den Putsch mit dem Vorwurf begründet, die Nationale Liga für Demokratie (NLD) von Aung San Suu Kyi habe die Wahl im November manipuliert. Die NLD hatte nach offiziellen Angaben die absolute Mehrheit der Stimmen erlangt.

Zwar habe es auch internationale Kritik an der Zusammensetzung der Wahlkommission gegeben, so Spohr. Die Vorwürfe des Militärs, die Wahl sei manipuliert worden, ließen sich aber letztlich nicht beweisen. Generell habe das Militär auch keinen allzu großen Rückhalt in der Bevölkerung. Wie sich die Ereignisse nach dem Putsch weiterentwickeln, ist aus Sicht von Spohr Stand jetzt kaum abzuschätzen und werde sich erst in den kommenden Tagen und Wochen zeigen.


Ein Thema u. a. in der Sendung "Bilanz am Abend" am 01.02.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Soldaten auf einer Straße in Naypyitaw in Myanmar (Foto: picture alliance / dpa /AP).

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