Der Preis fürs Impfen: zwischen Marktgesetzen und Ethik

Über den Wert des Wissens zwischen Markt und Ethik

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Karl-Heinz Wehkamp, Mediziner und Soziologe, Universität Bremen

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   29.01.2021 | 07:25 Uhr

Der Bremer Medizinethiker Prof. Karl-Heinz Wehkamp sieht ein grundsätzliches Dilemma zwischen Marktgesetzen und Ethik-Standards, das sich gerade auch in der Impfdebatte wiederfindet. Ein Interview.

Der Streit um Menge und Lieferzeitpunkt neuer Impfstoff-Dosen zwischen der EU-Kommission und dem Pharmakonzern Astrazeneca hat wieder einmal die Frage aufgeworfen, wie eine Verteilung knapper Güter bei hoher Nachfrage auch aus globaler Sicht gerecht und moralisch einwandfrei organisiert werden könnte.

Welches Recht wiegt schwerer?

Dürfte man, wenn es um Gesundheit, Leben und Tod geht, beispielsweise das Recht auf geistiges Eigentum verletzen - und die Lizenz zur Herstellung eines Impfstoffes - nach entsprechender Vergütung für die Entwickler - einfach zum Gemeingut erklären, wie der Grünen-Politiker Sven Giegold gefordert hat?

Ein Dilemma

Für den Bremer Mediziner und Soziologen Professor Karl-Heinz Wehkamp steht dahinter die alte Frage, wem "Wissen" überhaupt gehöre. Aus seiner Sicht ist klar: Die "Regeln des Marktes" sind grundsätzlich nicht geeignet, "um einer Pandemie anständig zu begegnen". Dies liege sowohl "aus Gründen der Menschenrechte" als auch "aus Gründen der Strategie einer Bekämpfung so 'ner Pandemie" auf der Hand.

Preise gerecht gestalten

Andererseits wäre "der gigantische wissenschaftliche und technische Aufwand zur Erzeugung und Verteilung" von Impfstoffen ohne Marktanreize überhaupt nicht möglich, so Wehkamp im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. Das Dilemma spiegele sich auch in der Preisgestaltung wider: Diese müsse die Interessen der Produktentwickler ebenso berücksichtigen wie die geringe Finanzkraft armer Länder.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 29.01.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt Impfspritzen in Ausgabeschalen (Foto: SR Fernsehen).

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