Vorbild Österreich? Für mehr Rechtssicherheit in der privaten 24-Stunden-Pflege

Für mehr Rechtssicherheit in der häuslichen Pflege

Ein Gespräch mit Frederic Seebohm, dem Geschäftsführer des Verbandes für häusliche Betreuung und Pflege (VHBP)

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   29.01.2021 | 12:55 Uhr

Frederic Seebohm, der Geschäftsführer des Verbandes für häusliche Betreuung und Pflege (VHBP), macht sich für mehr Rechtssicherheit in der privat organisierten 24-Stunden-Pflege außerhalb der Mauern gewerblicher Heime stark. Ein Interview.

Frederic Seebohm, Rechtsanwalt und Geschäftsführer des Verbandes für häusliche Betreuung und Pflege (VHBP) (Foto: Pressefoto: www.VHBP.de)
Frederic Seebohm (Pressefoto: www.VHBP.de)


Rund 700.000 Pflegekräfte, meistens weiblich, meistens aus Osteuropa, leisten in Deutschland der Löwenanteil der Pflegearbeiten in jenen rund 300.000 privaten Haushalten, in denen rund um die Uhr Unterstützung für den Alltag gebraucht wird. 80 bis 90 Prozent der Dienstleistungen in dieser Branche würden derzeit illegal erbracht, bestätigte der Rechtsanwalt Frederic Seebohm, Geschäftsführer des Verbandes für häusliche Betreuung und Pflege (VHBP), im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit.

Für mehr Rechtssicherheit

Seebohm forderte mehr Anerkennung und Transparenz für diese Beschäftigungsverhältnisse in der privat organisierten 24-Stunden-Pflege außerhalb der Mauern gewerblicher Heime.

Hier gelte es, verbindliche Mindeststandards in Sachen Qualifikation und Bezahlung zu etablieren. Dies würde zwar mehr Geld kosten, aber auch mehr Rechtssicherheit und Verlässlichkeit sowohl für die Pflegekräfte als auch für die zu Versorgenden und ihre Familien bedeuten.

"Endlich auf Regierungsebene handeln"

Das Nachbarland Österreich habe es bereits 2007 vorgemacht, wie man ein Pflegesystem auch für die 24-Stunden-Betreuung zuhause reformieren könne - nämlich mit obligatorischen arbeitnehmerähnlichen Beschäftigungsverhältnissen inklusive Sozialversicherungsschutz. Nun müsse auch in Deutschland "endlich auf Regierungsebene gehandelt werden", so Seebohm.


Ein Fall aus dem Saarland:

Über die "Grauzone" im privaten Betreuungsmarkt
Audio [SR 2, Dagmar Scholle, 29.01.2021, Länge: 02:48 Min.]
Über die "Grauzone" im privaten Betreuungsmarkt
Manche Seniorin und mancher Senior ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Doch wer soll die Hilfe übernehmen? Wer soll zahlen? Und wie viel? Längst ist abseits der Pflegeheime ein "grauer" Arbeitsmarkt entstanden, auf dem die Arbeitsbedingungen für das meist weibliche Betreuungspersonal nicht immer dem gesetzlich vorgeschriebenen Standard entsprechen. Die sogenannten 24-Stunden-Betreuerinnen stammen meist aus Osteuropa - ebenso wie die Vermittlungsagenturen, die einen Teil des Lohnes einbehalten. Hunderttausende solcher Betreuungsverhältnisse soll es in Deutschland zurzeit geben. SR-Reporterin Dagmar Scholle mit einem Beispiel.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 29.01.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbld ganz oben zeigt einen Betreuer in der Tagespflege (Archivbild: SR Fernsehen).


KORREKTURHINWEIS: In einer früheren Fassung des Artikels war öfter von "Betreuung" statt von "Pflege" die Rede.

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