Hohe Erwartungen an Ära Joe Biden

Hohe Erwartungen an Ära Joe Biden

Ein Gespräch mit Thomas Kleine-Brockhoff, dem Berliner Büroleiter des German Marshall Fund of the United States, am Morgen vor der Vereidigung von Joe Biden als US-Präsident

Katrin Aue. Onlinefassung: Rick Reitler   20.01.2021 | 07:45 Uhr

Für Thomas Kleine-Brockhoff, den Berliner Büroleiter des German Marshall Fund of the United States, bedeutet der Einzug von Joe Biden ins Weiße Haus vor allem den Wechsel "von einem Nationalisten zu einem Internationalisten". Aus europäischer Sicht gelte es nun, die angeschlagenen Beziehungen zu reparieren. Ein Interview.

Am 20. Januar soll der Demokrat Joe Biden in Washington als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt werden. Kamala Harris soll in das Amt der Vizepräsidentin eingesetzt werden. Die Sicherheitsvorkehrungen im Regierungsviertel wurden erheblich verschärft.

"Ein ähnlich Gesinnter im Amt"

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Für Thomas Kleine-Brockhoff, den Berliner Büroleiter des German Marshall Fund of the United States, bedeutet der neue Mann im Weißen Haus zunächst den Wechsel von einem Nationalisten zu einem Internationalisten. Er geht im SR-Interview davon aus, dass Biden "die europäische Integration" unterstützen und "Europa nicht spalten" werde. "Kurzum: Da ist ein ähnlich Gesinnter im Amt, und nicht jemand, bei dem man jeden Tag, den ganzen Tag lang Fragezeichen hat", so Kleine-Brockhoff.

"Neuer Kanon von Übereinkünften"

Nun müssten die internationalen "Beziehungen repariert werden". Man brauche einen "neuen Kanon von Übereinkünften", was die Sicherheitspolitik, die China-Politik und überhaupt die "modernen Herausforderungen" angehe. Amerika müsse eine "europäische Macht" bleiben - "wenn auch wahrscheinlich mit reduzierter Präsenz hier".

Für die deutsche Bundesregierung werde es allerdings auch unter Joe Biden schwerer werden, die Wünsche aus Washington wie in der Ära Trump generell abzulehnen.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 21.01.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt Mitglieder der Nationalgarde, die am frühen Morgen des 20. Januar vor dem Kapitol in Washington D.C. an einem Stacheldraht-Zaun entlang gehen (Foto: picture alliance/dpa/AP | J. Scott Applewhite).

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