Kommentar: Privilegien für Geimpfte? Ja, bitte!

Privilegien für Geimpfte? Ja, bitte!

Die Meinung von SR-Politikreporter Janek Böffel

  19.01.2021 | 08:10 Uhr

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat angeregt, Privilegien für Menschen zu schaffen, die sich gegen das Corona-Virus impfen lassen. Schafft das nicht Ungerechtigkeit für junge, nachgeborene, gesunde, nicht risiko-behaftete Menschen? Ja, aber das wäre trotzdem okay, meint SR-Landespolitikredakteur Janek Böffel. Ein Kommentar.

Vielleicht zuerst eine kleine Vorab-Bemerkung: All das, worüber wir hier sprechen, hängt von einer einzigen Antwort ab - auf die Frage "Sind Geimpfte nicht mehr ansteckend?"

Sollten sie noch ansteckend sein, dann ist diese Diskussion im Moment müßig und angesichts von gerade einmal einem Prozent Geimpfter in der Bevölkerung wären die Folgen im wortwörtlichen Sinne allgemeingefährlich.

Viel spannender ist deshalb die andere Annahme, für die ja derzeit nicht wenige Indizien sprechen: Wer geimpft ist, verbreitet das Virus nicht weiter. Und folgen wir nun dem Gedankenspiel doch ein paar Züge weiter. Wer also geimpft ist, hat einerseits kaum mit einem schweren Krankheitsverlauf zu rechnen und ist andererseits auch keine Gefahr mehr für andere. Schon mit der zweiten Hälfte dieses Satzes ist doch jegliche Grundlage für diese derzeitigen tiefgreifenden Einschränkungen, ja Verletzungen unserer Grundrechte zum höheren Wohl, hinfällig.

Warum Geimpfte weiter einschränken?

Warum also sollte da noch eingeschränkt werden, wenn der Zweck, nämlich die Verbreitung der Pandemie einzudämmen, wie es ja wortwörtlich im Infektionsschutzgesetz heißt, bereits durch die Impfung erfüllt wird. Also bliebe die Frage nach der Gerechtigkeit.

Die Frage, ob es, ganz einfach gesprochen, gerecht ist, dass einzelne – derzeit noch sehr wenige – Geimpfte Privilegien genießen dürfen: Denn natürlich – auch um diese Begrifflichkeit wird ja derzeit eine Debatte geführt – wären diese Lockerungen ein Privileg. Der Geimpfte wäre privilegiert. Und da liegt möglicherweise das Problem, da wird die Debatte spannend.

Impfen zurzeit keine freie Wahl

Derzeit ist nämlich die Wahl, ob Impfen oder Nicht-Impfen keine freie Wahl. Ich persönlich gehöre nicht zu Gruppe eins oder zwei. Ich bin unter 40 und bedingt systemrelevant. Das heißt, die Möglichkeit, mich impfen zu lassen, habe ich irgendwann erst im Sommer. Wer älter und kränker ist oder in einem Risiko-Beruf arbeitet, wird vor mir dran sein. Ist damit durch Geburt oder Beruf in Sachen Impfen privilegiert. Und soll dank Impfung nicht nur weniger Angst vor einer Ansteckung haben müssen, sondern auch ein freieres Leben führen können. In Restaurants gehen, Sport treiben, geimpfte Freunde treffen.

Privilegien wären verdient

Das ist selbstverständlich ungerecht für junge, nachgeborene, gesunde, nicht risiko-behaftete Menschen wie mich. Aber sind wir doch ehrlich. Genau da liegt der Punkt. Denn führen wir noch einmal vor Augen, wer da profitieren würde. Genau diejenigen, die seit Beginn dieser Pandemie fürchten mussten. Weil sie alt oder krank sind, weil sie aufgrund ihres Berufes besonderen Risiken ausgesetzt sind, weil dieses Virus für sie noch mehr Bedrohung war als für uns privilegierten Rest. Sie waren es doch, die ihre Leben noch ein bisschen mehr eingeschränkt haben, um sich und andere zu schützen. Und die sollen jetzt ein wenig früher ihre neue Normalität genießen können? Ganz ehrlich: Sollen sie doch. Wer, wenn nicht sie. Sie hätten es verdient. Gerecht wäre es allemal.

Ein Kommentar von Janek Böffel


Der andere Blickwinkel:

Diskussion um Lockerungen
Fraktionen lehnen Vorteile für Geimpfte ab
Der Vorstoß von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), Menschen mit Corona-Impfung mehr Freiheiten zu gewähren, stößt bei den saarländischen Landtagsfraktionen auf breite Ablehnung. Die Debatte darüber ist für die Vertreter in der Landespressekonferenz derzeit unangebracht.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 19.01.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt eine Impfung (Foto: SR Fernsehen).

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