Über Twitter, Trump und die Macht der sozialen Medien

Über Twitter, Trump und die Macht der sozialen Medien

Ein Gespräch mit Markus Beckedahl, dem Chefredakteur von netzpolitik.org

Sally-Charell Delin. Onlinefassung: Rick Reitler   14.01.2021 | 14:10 Uhr

Markus Beckedahl, der Chefredakteur des Blogs netzpolitik.org, hat die lebenslange Sperre des noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump durch den Social-Media-Dienst Twitter als "eine Zäsur, nicht unbedingt eine Zensur" bezeichnet.

Machtkonzentration in Händen weniger

Markus Beckedahl  (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Markus Beckedahl (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Der Vorgang belege eine große Machtkonzentration, die in der Hand "einzelner Akteure" bei "einigen wenigen Plattformen" liege. "Das sollte uns zu denken geben", sagte Beckedahl im Gespräch mit SR-Moderatorin Sally-Charell Delin. Denn viele Menschen hätten eben nicht die Möglichkeit wie Donald Trump, im Fall eines Rausschmisses auf andere Wege zur Meinungsäußerung zurückzugreifen.

Hoffen auf die EU

Beckedahl gab zu bedenken, dass auch gewöhnliche Nutzerinnen und Nutzer auf Basis der AGB so gut wie überhaupt keine Rechte besäßen, während die Regeln der Social-Media-Anbieter "sehr intransparent" seien. "Da hätte man schon vor Jahren Regeln schaffen können - das hat man verpeilt", kritisierte Beckedahl.

Nun hoffe er darauf, dass die EU für mehr Transparenz und Widerspruchsrechte im Sinne der Nutzerinnen und Nutzer sorgen könne. Ein Anfang sei mit dem "so genannten Digitale-Dienste-Gesetzespaket" gemacht. Er gehe davon aus, dass die EU-Kommission den Diskussionsbedarf erkannt habe.

Hintergrund

Zwischen Twitter und Trump herrschte schon länger ein ambivalentes Verhältnis: Einerseits sorgten die Posts von Trump für millionenfache Aufrufe und eine Schar von mehr als 80 Millionen Followern, andererseits vertritt der Social-Media-Dienst politisch offenbar eine ganz andere Linie als der Republikaner. Am vergangenen Freitag, 8. Januar, verbannte Twitter den US-Präsidenten kurzerhand auf Lebenszeit von der Plattform. Auch tausende seiner Fans wurden gesperrt. Andere Social-Media-Anbieter reagierten in ähnlicher Weise.


Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 14.01.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Symbolbild ganz oben zeigt einen Smartphone-Bildschirm mit verschiedenen Social-Media-Apps (Foto: pixabay/LoboStudioHamburg).

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