Das berüchtigte Gefängnis "Port Arthur" auf Tasmanien

Das berüchtigte Gefängnis "Port Arthur" auf Tasmanien

Ein Beitrag über jenen Ort, an dem britische Empire die Isolationshaft erfunden haben soll

Michael Marek   12.01.2021 | 13:15 Uhr

Im 19. Jahrhundert entstand auf der Insel Tasmanien eines der ältesten und gefürchtetesten Gefängnisse des fünften Kontinents. Port Arthur diente dem britischen Empire als Sträflingskolonie. Es gilt als der Ort, wo die Isolationshaft erfunden wurde. Heute ist das UNESCO-Weltkulturerbe ein Touristenmagnet.

Port Arthur im Südosten Tasmaniens ist ein kleiner, beschaulicher Ort an der rauen Tasmansee. Er liegt 90 Autominuten von Hobart entfernt, der Hauptstadt des australischen Bundesstaates. Einst galt er als die Hölle auf Erden. Insgesamt wurden 163.000 Sträflinge nach Australien deportiert, davon 73.000 allein nach Tasmanien. Von 1830 bis1877 befand sich hier das größte Gefängnis im britischen Empire außerhalb des Mutterlandes. Zugleich war Port Arthur die sicherste und gefürchteste Sträflings-Stätte Australiens.

Über Monate in stockfinsterer Nacht

Das Gefängnis war ursprünglich ein Getreidespeicher oder eine Getreidemühle, danach wurde Port Arthur zum Hochsicherheitsgefängnis umgebaut. Es gab eine Krankenstation, eine katholische Kapelle und sogar eine Bücherei mit 13.000 Bänden.

Die Idee war, aus den Sträflingen bessere Menschen zu machen. Die aus dem britischen Empire verbannten Strafgefangenen waren nichts anderes als billige, nützliche und überall einsetzbare Arbeitskräfte, um den fünften Kontinent zu erschließen. Eine Hilfe vor allem für die britischen Siedler, die Schwierigkeiten hatten, sich in der unwirtlichen Gegend eine Existenz aufzubauen.

Touristinnen und Touristen bei der Besichtigung des Gefängnisses "Port Arthur" auf Tasmanien  (Foto: SR / Michael Marek)
Das Gefängnis "Port Arthur" auf Tasmanien, heute Weltkulturerbe.

1848: Isolationshaft

1848 wurde in Port Arthur die Isolationshaft eingeführt. Statt die Gefangenen bei Vergehen oder Fluchtversuchen auszupeitschen, waren sie fortan der "stillen Strafe" unterworfen. Die Gefängnisleitung ging davon aus, dass körperliche Züchtigung die Häftlinge nur stärker mache, psychische sie dagegen schwäche. Wenn die Tür hinter den Sträflingen geschlossen wurde, war es stockfinster. Es gab kein Tageslicht. Die Wände waren so dick, dass man keine Schreie hören konnte. Bis zu 30 Tage wurden sie in diese Zelle gesteckt, bei Brot und Wasser. Nach vier bis zwölf Monaten waren selbst die härtesten Kerle gebrochen.

Auch Thema im "‘Der Nachmittag" am 12.01.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt das Gefängnis "Port Arthur" auf Tasmanien aus der Vogelperspektive (Foto: Michael Marek).

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