Josephine Baker: Weltstar, Freiheitskämpferin, Ikone

"Sie wurde im Laufe ihres Lebens immer politischer"

Ein Gespräch mit der Autorin Mona Horncastle über das Leben von Josephine Baker

Jochen Erdmenger. Onlinefassung: Lisa Huth   12.01.2021 | 15:30 Uhr

Das Bananen-Röckchen war ihre Marke. So tanzte Josephine Baker über die die Bühnen von New York, Berlin und Paris. Der afroamikanische Weltstar war aber weit mehr - nämlich eine idealistische Kämpferin gegen Rassismus und Diskriminierung. Das vor allem will die Biografie von Mona Horncastle zeigen.

Das Cover der Biografie über Josephine Baker von Mona Horncastle. (Foto: Moden Verlag)
Cover der Biografie von Mona Horncastle über Josephine Baker: "Weltstar - Freiheitskämpferin - Ikone", erchienen im Molden-Verlag

Josephine Baker wird von vielen bis heute auf ihre Rolle als Tänzerin im Bananenröckchen reduziert. Die Kulturwissenschaftlerin Mona Horncastle beschreibt in der Biographie über den Weltstar, was sie in ihrem Leben darüber hinaus Besonderes geleistet hat. Josephine Baker hatte selbst mehrere Biografien über sich geschrieben, die sehr unterschiedlich waren. Tatsächlich war es so: Als Josephine Baker 1906 geboren wird, ist sie das uneheliche Kind einer schwarzen Wäscherin in einem Slum in Saint Louis. Sie erlebt bereits Ausgrenzung in der eigenen Familie, weil sie eine heller Haut als die anderen hatte.

Baker erlebt die Rassenunruhen 1917 mit, die bis heute zu den schlimmsten in der Geschichte Amerikas gelten. Sie sieht drei Wege, aus dem Slum zu entkommen: als Dienstmädchen, als Prostituierte oder als Tänzerin. Sie entscheidet sich für Tänzerin und merkt, wenn sie aus der Reihe tanzt, hat sie Erfolg. Das wird dann ihr Motto: Regeln gelten für alle, aber nicht für Josephine Baker. Damit hat sie viele Hürden überwunden. Sie hat dann, dafür muss Josephine Baker nach Auffassung von Horncastle großen Respekt gezollt werden, ihren Ruhm und ihren Erfolg dafür eingesetzt, andere zu befreien.

Keine Rassentrennung bei ihren Konzerten

Die Abschaffung der Sklaverei in Amerika hatte zur Zeit von Josephine Baker noch nicht bedeutet, dass schwarze Menschen Bürgerrechte gehabt hätten. Sie hatte das Glück, in New York entdeckt zu werden und dann dem strukturellen Rassismus in Amerika zu entfliehen, in Paris, in einer offenen Kultur, einem liberalen Umfeld, in dem alternative Lebensweisen gepflegt wurden. In Paris war damals die europäische Avantgarde versammelt. Hinzu kam, dass die Fauvisten und Kubisten um 1920 die Kolonialkultur für sich entdeckt hatten. Es gab Ausstellungen, die Künstler hatten das verarbeitet, und Josephine Baker war sozusagen das tanzende Klischee dazu.

Der Weltstar hat sich dann im im Laufe ihres Lebens politisiert, auf eine leichte Art, findet Mona Horncastle. So hat sie bereits Anfang der 1950er Jahre, lange vor der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, darauf bestanden, dass es bei ihren Konzerten keine Rassentrennung geben dürfe. Das war damals ein sehr großer Schritt.

Ein Thema in der Sendung "‘Der Nachmittag" am 12.01.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt die Schriftstellerin Mona Horncastle (Foto: picture alliance / Sueddeutsche Zeitung Photo | Schellnegger, Alessandra).

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