Dr. Martin Thunert: "Es ist relativ einsam um Donald Trump"

"Es ist relativ einsam um Donald Trump"

Ein Interview mit Dr. Martin Thunert vom Heidelberg Center for American Studies zur Lage in den Vereinigten Staaten am Morgen des 11. Januar

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   11.01.2021 | 07:25 Uhr

Nach der Löschung der Konten von Donald Trump bei den großen Social-Media-Plattformen bleibt Donald Trump nicht viel mehr übrig, als seine Anhänger "über andere Kanäle aufzustacheln", meint Martin Thunert vom Heidelberg Center for American Studies. Ein Interview.

Nach den aufwühlenden Bildern vom Kapitol in Washington D.C. und der Löschung von US-Präsident Donald Trump von allen großen Social-Media-Plattformen soll nun nach dem Willen der Demokraten ganz schnell ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump durchgebracht werden.

"Politisch zur Rechenschaft ziehen"

"Ich denke, das Kalkül ist, dass man ihn für die Anstachelung der Stürmung des Kapitols auch politisch zur Rechenschaft ziehen will - ungeachtet, ob es juristische Schritte nach seinem Abtritt geben wird", meint Dr. Martin Thunert vom Heidelberg Center for American Studies im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmiediung. Zudem wollte die Partei von Joe Biden wohl die Republikaner im Senat unter Druck setzen und verhindern, dass Trump noch einmal für ein politisches Amt kandidieren könnte.

Militäreinsatz fraglich

Thunert habe "seine Zweifel", ob das Militär eventuell einen "nicht nachvollziehbaren Befehl" von Donald Trump ausführen werde - denn dann würde Trump wohl vom Kabinett unter Verweis auf den 25. Verfassungszusatzartiklel abgesetzt werden können. Nicht Trump, sondern Vizepräsident Mike Pence sei für ihn momentan "der starke Mann". Trump bliebe somit nicht viel mehr, als seine Anhänger "über andere Kanäle aufzustacheln". "Es ist relativ einsam um Donald Trump", so Thunert. Der "kalte Bürgerkrieg" sei allerdings noch nicht zu Ende.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 11.01.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Foto ganz oben zeigt einen Anhänger der Demokraten, der per Plakat die Amtsenthebung von Donald Trump fordert (Foto: picture alliance/dpa/AP | David Zalubowski).

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