Über Fleischkonsum, Lobbydruck und die Rolle der Parlamentarier

Über Fleischkonsum, Lobbydruck und die Rolle der Parlamentarier

Ein Gespräch mit Barbara Unmüßig, Heinrich-Böll-Stiftung, über die Befunde des "Fleischatlas 2021"

Jochen Marmit. Onlinefassung: Rick Reitler   06.01.2021 | 15:30 Uhr

Die Politologin Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, hat anlässlich der Präsentation des "Fleischatlas 2021" die Rolle der deutschen Politik bei den Missständen in der Fleischproduktion scharf kritisiert. Der "unglaubliche Lobbydruck" verhindere eine Besserung der Lage.

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung (Foto: Bettina Keller)
Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung (Foto: Bettina Keller)

Nach einer Studie lehnen bereits über 70 Prozent der 15 bis 29-Jährigen in Deutschland die Fleischproduktion in ihrer bisherigen Form ab. Ihnen geht es meist nicht nur um das Tierwohl, sondern auch um gesunde Ernährung und Klimaschutz. Und ihre Skepsis ist nicht ganz unbegründet, wie auch der brandneue "Fleischatlas 2021" der Heinrich-Böll-Stiftung und des BUND zeigt.

"Ökologische Katastrophe"

"Die wichtigsten Erkenntnisse sind, dass wir heute schon Fleisch produzieren und konsumieren, was ökologisch und sozial nicht mehr verträglich ist", sagte Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Marmit. Die Produktion habe "verheerende Umweltauswirkungen" und sei "gesundheitsgefährdend" - nicht nur für Fleisch-Vielesser, sondern auch für Landwirte, die die Pestizide auf den Futtermittel-Äckern ausbrächten. Wenn der globale Trend zu noch mehr Produktion und Konsum so weiter gehe, sei die Welt auf dem Weg in eine "ökologische Katastrophe".

Global gesehen gehe es vor allem um die Abholzung der Wälder; speziell in Deutschland sei vor allem die viele Gülle aus der Massentierhaltung ein Problem.

"Unglaublicher Lobbydruck"

Die Schuld an den Missständen sehe sie weniger beim Verbraucher als beim politischen Betrieb, der sich noch immer dem "unglaublichen Lobbydruck" der Fleischindustrie beuge, so Unmüßig. Viele Abgeordnete, vor allem bei CDU und CSU, seien eng verbandelt mit dem Bauernverband und hätten auch "Interessen in der Agrarindustrie".


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Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" vom 06.01.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt die Fleischproduktion in einem Schlachthof (Archivfoto: SR Fernsehen).

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