Debatte um Lockdown-Verschärfungen und Impfungen geht weiter

Debatte um Lockdown-Verschärfungen und Impfungen geht weiter

Ein Gespräch mit Hauptstadt-Korrespondent Georg Schwarte

Sonja Marx. Onlinefassung: Rick Reitler   06.01.2021 | 07:45 Uhr

Auch nach den jüngsten Beschlüssen zur Verschärfung und Verlängerung des Lockdowns ist angesichts der vielfältigen Differenzen verschiedener politischer Akteure wohl kaum mit einem Ende der Debatte zu rechnen. Ein Interview mit Hauptstadt-Korrespondent Georg Schwarte.

Bund und Länder haben sich am 5. Januar auf eine Verlängerung und Verschärfung der Corona-Maßnahmen bis vorerst zum 31. Januar geeinigt. Für bestimmte Landkreise wurden nun sogar Bewegungseinschränkungen verordnet: Bei einem Inzidenzwert über 200 dürfen sich Bürger nur im Radius von 15 Kilometern um den eigenen Wohnort bewegen.

Auf der Suche nach Lösungen

Die Beschlüsse sind offenbar ein Kompromiss: Das Kanzleramt und Virologen hatten sich zuvor gegen den Widerstand mancher Bundesländer für noch stärkere Einschränkungen stark gemacht, wie Hauptstadt-Korrespondent Georg Schwarte im Gespräch mit SR-Moderatorin Sonja Marx berichtet. Noch immer gebe es eine "Gemengelage" und unterschiedliche Aufassungen in den Bundesländern darüber, ob und wie die Verordnungen durchzusetzen seien.

Empfehlungen, Zweifel, Impfstrategie

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) habe beispielsweise inzwischen davon gesprochen, beim Thema Bewegungsradius nur Empfehlungen aussprechen zu wollen, und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) habe wegen juristischer Bedenken zur Maßnahmen-Verhältnismäßigkeit geäußert, erst die Ergebnisse eine "Prüfprogramms" abwarten zu wollen. Auch in Sachen Impfstrategie sei die Suche nach besseren Wegen offensichtlich noch nicht zu Ende, so Schwarte.


Hintergrund:

Bund-Länder-Beratungen
Lockdown wird verlängert und verschärft
Bund und Länder haben sich auf eine Verlängerung des Corona-Lockdowns bis vorerst zum 31. Januar geeinigt. Kontaktbeschränkungen werden verschärft und in Hotspots der Bewegungsradius beschränkt. Auch der Lockdown für Schulen und Kitas wird verlängert.

Lockdown-Verschärfung
Warum sich die Polarisierung nach der Corona-Krise verschärfen wird
Der Politikwissenschaftler Prof. Stefan Marschall geht davon aus, dass sich auch nach dem Ende der Pandemie die Polarisierung der Gesellschaft verschärfen werde. Denn auch die Lösung der bis dahin aufgelaufenen Probleme werde "nicht ohne Schmerzen passieren können".


Mehr zum Thema:

Umgang mit Corona-Hotspots
Saar-Städtetag sieht 15-Kilometer-Regel kritisch
Ein eingeschränkter Bewegungsradius für Menschen in Corona-Hotspots ist nach Ansicht des Saarländischen Städte- und Gemeindetages (SSGT) nur in bestimmten Fällen sinnvoll. Der Präsident Hermann Josef Schmidt sieht bei lokalen Corona-Ausbrüchen in einzelnen Einrichtungen keinen Grund für dieses Mittel in ganzen Landkreisen.

Lockdown und Bildungspolitik
"Kinder und Jugendliche sind nicht der Hotspot dieser Pandemie"
Der Kinder- und Jugendarzt Prof. Markus Knuf hat die Pläne zu erneuten Schulschließungen im SR-Interview kritisiert. Anstatt Lösungen für den Präsenzunterricht zu präsentieren, greife die Politik nun schon wieder auf diese "sehr einfachen Maßnahme" zurück - zum vielfältigen Nachteil der Betroffenen.

Zufriedenheitsforscher Prof. Dr. Martin Schröder über die psychischen Folgen
"Man muss da jetzt wirklich einfach mal durch"
Je schärfer die Kontaktbeschränkungen, desto unzufriedener ist der Mensch mit seinem Leben - auf diese Faustformel könnte man die psychische Situation nach Monaten der Corona-Krise bringen. Nach Untersuchungen des Soziologen Martin Schröder ist dieser Unterschied "tatsächlich dramatisch". Ein Interview.


Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" am 06.01.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) neben Markus Söder (CSU, l), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, sowie Michael Müller (SPD, r), Regierender Bürgermeister von Berlin, auf dem Weg zur Pressekonferenz nach den Beratungen von Bund und Ländern über weitere Corona-Maßnahmen (Foto: picture alliance/dpa/dpa-pool | Michael Kappeler).

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja