"Wir müssen jetzt mal wirklich Butter bei die Fische"

"Wir müssen jetzt mal wirklich Butter bei die Fische"

Ein Gespräch mit Katja Oltmanns, der Vorsitzenden der Landeselternvertretung der Gymnasien, zu den Auswirkungen der Bundesnotbremse für die Bildungschancen

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   03.05.2021 | 07:15 Uhr

Katja Oltmanns, die Vorsitzende der Landeselternvertretung der Gymnasien im Saarland, hat die Politik aufgefordert, endlich "planbare und strukturierte Abläufe" für die Situation an den Schulen zu schaffen. Zudem plädierte sie für ein "Aufholjahr" und generell mehr Zeit zum Lernen, anstatt den Stoff immer weiter zu reduzieren.

Im dicht besiedelsten Teil des Saarlandes, dem Regionalverband Saarbrücken, sind die Schulen und Kitas wieder einmal geschlossen: Distanz-Unterricht und Notbetreuung sind seit dem 3. Mai angesagt, weil der Inzidenzwert drei Tage in Folge über 165 lag. Dann nämlich greift der entsprechende Automatismus aus dem am 21. April geänderten Infektionsschutzgesetz. Dem Land sind die Hände gebunden.

"Mehr als nur Lippenbekenntnisse"

Katja Oltmanns, die Landeseltervertreterin der Gymnasien im Saarland, wünscht sich eine andere Lösung. "Es wäre wirklich schön und wichtig, wenn wir nochmal in planbare und strukturierte Abläufe, auch im Schulbetrieb, kommen können", mahnte Oltmanns im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding, "da muss es jetzt mehr als nur Lippenbekenntnisse geben".

Gleichung geht "nicht mehr auf"

Immerhin hätten sich Schülerinnen, Schüler und ihre Eltern nun bereits ein Jahr dem "Gesundheitsschutz mehr oder weniger untergeordnet" und dafür "massiv reduzierten" Präsenzunterricht und Lernzeit in Kauf genommen, gab Oltmanns zu bedenken. Nun aber gehe "die Gesamtgleichung eigentlich nicht mehr auf".

"Aufholjahr" statt Stoffkürzung

"Wir müssen uns da was überlegen, wie wir diese verlorene Lernzeit wieder aufholen können", forderte Oltmanns. Ihr Wunsch sei, dass für die Klassenstufen fünf bis neun an den Gymnasien ein "Aufholjahr" ermöglicht werde, in dem der versäumte Lernstoff nachgeholt werden könne. Von einer "Entschlackung" der Lehrpläne, wie sie bereits in manchen höheren Klassenstufen praktiziert werde, halte sie nicht viel: "Das kann ja nicht langfristig das Ziel sein, dass wir jetzt schon anfangen, auch die Unter- und Mittelstufe auszudünnen", Denn allmählich gehe es bei all den Kürzungen an die "Kernsubstanz" des Stoffes. Langfristig müssten den Schülerinen und Schüler an den Gymnasien ohnehin wieder mehr Zeit für ihre Bildungsziele zugestanden werden, so Oltmanns mit Blick auf die seit Jahren schwelende G8/G9-Debatte.


Hintergrund

Ab 3. Mai
Notbremse für Kitas und Schulen
Im Regionalverband Saarbrücken greift seit Montag für Kitas und Schulen die Bundesnotbremse. In den Einrichtungen gibt es nur noch Distanzunterricht und Notbetreuung. Dieser Schritt wurde notwendig, weil am Freitag der Regionalverband den dritten Tag in Folge über einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von 165 lag.


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Landeselternvertretung kritisiert Kultusministerium
Katja Oltmanns, die Vorsitzende der Landeselternvertretung der Gymnasien im Saarland, hat das Kultusministerium für ihre Corona-Politik an den Schulen kritisiert: Sie verlangte u. a. langfristige Planungssicherheit für die Betroffenen und Klarheit über die Pläne zur Aufarbeitung der Lerndefizite.


Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Morgen" am 03.05.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt ein menschenleeres Klassenzimmer (Archivfoto: SR Fernsehen).

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