Kommentar: Es braucht klare Pläne, Grenzen und Perspektiven

Es braucht klare Pläne, Grenzen und Perspektiven

Die Meinung von SR-Landespolitikredakteur Janek Böffel zum Lockdown

Janek Böffel   14.12.2020 | 07:00 Uhr

Am Sonntag haben sich die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten auf deutschlandweit härtere Maßnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus geeinigt, ab Mittwoch gilt der harte Lockdown. Entscheidend wird der Januar, meint SR-Landespolitikredakteur Janek Böffel. Ein Kommentar.

Dieser Lockdown ist – und man sollte sich eigentlich hüten, diesen Ausdruck in der Politik zu verwenden – alternativlos. Ganz einfach weil die Zahlen – und egal welche – im Moment zu hoch sind. Es infizieren sich zu viele Menschen, es sind zu viele Menschen infiziert und ja, es sterben zu viele Menschen. Ganz einfach. Das macht diesen Lockdown alternativlos. Aber er ist es auch, weil der Lockdown light eben nicht gewirkt hat.

Janek Böffel (Foto: SR/Pasquale D'Angiolillo)
Janek Böffel (Foto: SR/Pasquale D'Angiolillo)

Dieser anderthalbmonatige Lockdown light, wie er im verzweifelten Versuch der Beschönigung genannt wurde, diese anderthalbmonatigen Schließungen, von Restaurants und Kneipen, von Museen, von Opern und Theatern. Er ist am Ende verpufft. Am Ende hat sich das Wachstum nur kurz verlangsamt, um in den vergangenen Tagen zu explodieren. Ganze Branchen an den Rand der Existenz und darüber hinaus getrieben. Um am Ende sagen zu müssen, es hat nicht gereicht.

Wobei ja selbst das gedauert hat. Zu lange hat sich die Politik um dieses Eingeständnis gedrückt. Hat von Weihnachten fabuliert. Nur noch diese eine Woche, nur noch diese eine weitere, dann ist Weihnachten, dann ist alles gut. Dann sitzen wir alle unterm Baum und Corona friert draußen im Schneematsch. Doch Corona sitzt eben mit uns zusammen, drinnen im Warmen.

Und nun also Lockdown. Nicht der lighte, sondern der ganz harte. Der auch selbstverschuldet alternativlose – von der Politik, die zu wenig vorbereitet und zu lange zugewartet hat und von uns, die wir zu oft in Sachen Kontaktbeschränkungen fünfe grade sein ließen. Und so zäh das Ringen der letzten Tage in der Politik gewesen sein mag: Nun fängt die Arbeit erst an.

Jetzt muss Politik gemacht werden, entschieden und geplant werden. Lockdown ist leicht. Rauskommen ist schwierig. Das hat der Sommer gezeigt, nach dem ersten Lockdown. Als es an Konzepten, Plänen und durchdachten Schritten fehlte. Als da, kaum da die Zahlen gesunken, eine Lockerungsorgie sonders gleichen losbrach. Masken, ach hier nicht und da eigentlich auch nicht mehr, zehn Leute aus beliebig vielen Haushalten am Restauranttisch und Sauna, natürlich, warum nicht auch Sauna. Im zwei Wochen Rhythmus wurde da gelockert was das Zeug hielt, bis am Ende fast nur noch Maskenpflicht in Bus und Baumarkt blieben.

Und weil die Zahlen tatsächlich unten blieben, erfreute man sich biergartenselig daran, wie schön der Sommer ist. Pläne, wie es an den Schulen weitergeht, wie Krankenhäuser schneller vorbereitet sein können und ja, auch wie wir die vulnerablen Gruppen besser schützen, wenn die Zahlen wieder nach oben schnellen, das schien fern im Rausch der sinkenden Zahlen.

Das darf im Januar nicht wieder passieren. Es braucht klare Pläne und Grenzen für Lockerungen, wenn – ja wenn - die Zahlen wieder sinken. Das Prinzip Hoffen auf die Impfung wird nicht reichen. Bis genug Menschen geimpft sind, wird noch lange hin sein und ob wer geimpft ist, auch andere nicht mehr anstecken kann, ist längst nicht geklärt.

Es braucht für alle Branchen und für die Menschen Perspektiven. Ein klares wofür das alles. Und komme jetzt ja niemand damit, wie schön Ostern sein wird, wenn wir wieder mit unseren Liebsten gemeinsam, die Nummer zieht nicht mehr. Es braucht stattdessen auch die Ehrlichkeit, dass im Januar nicht alles wieder gut sein wird, dass nicht wieder alles wie im Sommer sein wird. Sondern dass es auch weiter Einschränkungen geben wird.

Das ist der ehrlichere und vor allem wirksamere und damit richtigeren Weg als wieder einen Wettstreit der Lockerungen daraus zu machen, wer am schnellsten so tut, als wäre alles wieder normal. Denn das wird es noch lange nicht sein.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 14.12.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Archivbild ganz oben zeigt einen Mann vor einem geschlossenen Weihnachtsmarkt (Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow).

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