Dr. Heino Klingen: "Eine neue Perspektive für das Saarland"

"Eine neue Perspektive für das Saarland"

IHK-Geschäftsfüher Dr. Heino Klingen zur SVolt-Ansiedlung im Saarland

Yvonne Schleinhege; Onlinefassung: Laszlo Mura   17.11.2020 | 17:59 Uhr

Der Zuschlag für die Ansiedlung der Batteriefabrik SVolt im Saarland hat in der saarländischen Wirtschaft für Begeisterung gesorgt. SR-Moderatorin Yvonne Schleinhege hat darüber mit dem Hauptgeschäftsführer der IHK Saarland, Dr. Heino Klingen, gesprochen.

SR 2: Herr Klingen, hätten Sie so eine Ansiedlung für möglich gehalten?

Klingen: Also zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt - möglicherweise in einiger Zeit, wenn die Wirtschaft der Welt wieder auf Wachstumskurs ist. Aber jetzt in dieser Zeit, gerade in dieser Krise ist das natürlich unwahrscheinlich gewesen. Aber umso größer ist die Freude, dass es jetzt so gekommen ist und damit eine neue Perspektive für das Saarland eröffnet wird.

SR 2: Die SVolt-Ansiedlung wird nun auch in einem Atemzug genannt mit der von Ford und ZF in den 1970er Jahren. Ist das jetzt wieder so eine wegweisende Nummer?

Klingen: Ich denke schon. Wir haben damals ja gesehen, als Ford kam, das drum herum zahlreiche andere Unternehmen auch gekommen sind. Das hat dann ein Stück weit eine Sogwirkung auf andere. Und so eine innovative Investition in einem Industrieland strahlt dann natütlich über die Grenzen hinaus und könnte durchaus auch andere Unternehmen hier ins Land locken oder selbst hier im Land zu entsprechenden Gründungen führen. Es ist also durchaus vergleichbar.

SR 2: Es wird jetzt in ersten Reaktionen gerne gesagt, im Saarland würde das Auto der Zukunft gebaut. Würden Sie soweit gehen mit diesem Ansiedlungserfolg?

Ansiedlung von Batteriefabrik
Saar-Wirtschaft sieht große Chancen für das Land
Die Ansiedlung der Batteriefabrik SVolt im Saarland wird in der saarländischen Wirtschaft mit großer Begeisterung aufgenommen. Manche sehen eine Parallele zum Bau der Ford-Werke.

Klingen: Die Frage lautet "Was ist das Auto der Zukunft?". Ich würde das etwas anders akzentuieren. Wir haben einen guten Automobilproduzenten und gute Zulieferer im fossilen Bereich. Wir haben darüber hinaus auch jetzt erste Ansätze für Wasserstofftechnologie im Fahrzeugbau im Saarland. [...] Wir sind da auch schon relativ weit dabei. Wir haben gleichzeitig mit IT und Cybersecurity auch die Voraussetzungen hier auf der Forschungsseite für das autonome Fahren. Und jetzt bauen wir künftig auch noch Batterien, d.h. wir sind breit aufgestellt. Ich vermute mal, dass wir von den Automobilstandorten in Deutschland gegenwärtig derjenige sind, der am breitesten aufgestellt ist. D.h. ein Stück weit unterstreichen wir damit als Fahrzeugbau- und Industrieland unsere Technologieoffenheit im Automobilbereich.

SR 2: Land und Bund fördern diese Ansiedlung. Was muss darüber hinaus vielleicht auch auf der politischen Ebene passieren, dass eben auch so eine Art Ankereffekt entsteht?

Klingen: Ganz entscheidend ist, dass man mit dieser Ansiedlung auch nach außen wirbt. Es war ja offensichtlich auch eine Entscheidung, die zu Gunsten der zentralen Lage des Saarlandes in Europa gefällt worden ist. Diesen Standort-Vorteil müssen wir neben der qualifizierten Arbeitnehmerschaft, die wir haben, neben der freundlichen Umgebung, auch weiterhin als Standort-Vorteil verkaufen.

SR 2: Wo Chancen sind, sind auch in der Regel Risiken. Sehen Sie welche bei dieser Ansiedlung?

Bis zu 2000 neue Arbeitsplätze
Batteriehersteller plant Milliarden-Investition im Saarland
Der chinesische Batteriehersteller für Elektro-Autos SVolt Energy will im Saarland bis zu zwei Milliarden Euro investieren und zwei Werke bauen. Bis zu 2000 neue Jobs sollen dadurch entstehen.

Klingen: Man muss natürlich sehen, dass die Ansiedlung so auch im Sinne der Investoren über die Bühne geht. Da hoffe ich, dass man relativ unbürokratisch zu Wege geht, dass die Bauleit-Planung alles was notwendig ist, um diese Fabrik dann schnell entstehen zu lassen, auch mit entsprechender Professionalität in die Wege leitet, sodass der Investor auch tatsächlich all das, was er hier vor hat und uns versprochen hat, auch einhalten will.

SR 2: Sehen Sie denn bei dem Investor Gefahren oder auch bei der Batteriezellentechnologie? Die Technologie wird nunmal mit negativen Umweltaspekten verbunden. Es bleibt die Frage, welche Antriebstechnologie sich durchsetzen wird. Sehen Sie da auch Risiken?

Klingen: Ich habe ja gerade gesagt, dass wir im Automobilbereich die ganze Zukunftstechnologie offen angehen sollen. Da sollten wir es den Markt entscheiden lassen oder letztendlich dem Käufer, was er später haben möchte. Natürlich sind die batterieangetriebenen Autos nur eine Facette neben anderen. Aber das sollte der Markt entscheiden. Was die batteriebetriebenen Autos anbetrifft sind wir aber gegenwärtig auf der relativ sicheren Seite. Denn wenn Sie sich das Konjunkturpaket der Bundesregierung im Sommer anschauen, da sind so viele Förderprogramme drin nur für die Elektromobilität, dass das doch ein eindeutiges politisches Signal ist: ja, wir wollen Elektromobilität in Deutschland fördern.

Hintergrund

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Ein Thema in der "Bilanz am Abend" am 17.11.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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