Interview: "Es ist immer nur bedingt möglich, staatlich gegenzusteuern"

"Staatlich gegensteuern ist nur bedingt möglich"

Interview: Jochen Erdmenger / Dr. Oliver Rottmann   13.11.2020 | 11:05 Uhr

Der ländliche Raum im Saarland hat nicht das beste Image. Infratest Dimap hat die Saarländerinnen und Saarländer für den aktuellen SaarlandTrend des SR auch zum Thema Infrastruktur befragt. Dr. Oliver Rottmann ist Geschäftsführender Vorstand des KOWID Kompetenzzentrums "Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge e.V." an der Universität Leipzig. Er beschäftigt sich mit Fragen der öffentlichen Infrastrukturentwicklung in Deutschland.

Das Ergebnis: In Sachen "Einkaufsmöglichkeiten“ sowie "Schulen und Kitas" sagt die Mehrheit, die Situation sei weitgehen gleich geblieben oder habe sich sogar verbessert. In vielen anderen Bereichen scheint die Unzufriedenheit dagegen immer größer zu werden.

Gezielte Bushaltestellen

Zu den Mobilitätsbedingungen sagt Oliver Rottmann, gebe es im ländlichen Raum bereits Fortschritte in der verkehrlichen Anbindung. Beim Straßenbau sei einiges getan worden. Gleichzeitig gebe es eine Ausdünnung des ÖPNV und auch der Fernverkehrsanbindung. Gegensteuern sei nicht einfach. Grund dafür seien die dünne Besiedlung und die großen Entfernungen.

Machbar seien etwa eine Vorrangschaltung bei Ampeln für Busse oder Busspuren, Einsatz von Expressbussen, also schnellere Busse mit wenigen Halten. Hinzu kämen gezielte Bushaltestellen an Krankenhäusern, Medizinischen Versorgungszentren, Einkaufs- oder Shopping Shoppingcentern.

Zweigstellen mit rotierender Ärzteschaft

Auch die Erreichbarkeit von Ärzten, Krankenhäusern und Notfallambulanzen sei im ländlichen Raum schwieriger. Im Saarland sieht Rottmann noch Potenzial, etwa bei Ansiedlungsplänen für Ärzte, oder auch die ärztliche Nachwuchsförderung stimulieren.

Gemeinden könnten eine interkommunale Zusammenarbeit intensivieren, ihre medizinische Versorgung bündeln. Möglich seien auch Zweigstellen von urbanen medizinischen Versorgungszentren mit rotierender Ärzteschaft. Für all das brauche es passgenaue Fördergelder und die Einbindung aller Akteure.

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Rund zwei Drittel der Saarländer sind der Ansicht, dass sich in den letzten Jahren ihre Lebensumstände nicht viel verändert haben. Ob medizinische Versorgung, Verkehr, Bildung oder Polizeipräsenz - nur wenige haben den Eindruck, dass es Verbesserungen gibt.

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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 13.11.2020 auf SR 2 KulturRadio.

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