Social Media im US-Wahlkampf: "Erst prüfen, dann publizieren!"

"Erst prüfen, dann publizieren!"

Ein Interview mit dem Politikwissenschaftler Dr. Erik Meyer über die Rolle der Sozialen Medien im US-Wahlkampf 2020

Sonja Marx. Onlinefassung: Rick Reitler   21.10.2020 | 07:55 Uhr

Der Politikwissenschaftler Dr. Erik Meyer hat im SR-Interview gefordert, dass "Desinformation" beim Social-Media-Wahlkampf in den USA verhindert werden müsse. Als Gegenmittel sei "eine Verzögerung der Publikation" durch die Plattformen selbst denkbar - nach dem Motto: "Erst prüfen, dann publizieren".

Im US-Präsidentschafts-Wahlkampf 2016 haben die Sozialen Medien eine größere Rolle gespielt als je zuvor. Donald Trump umkurvte meistens die kritische Presse und veröffentlichte seine Standpunkte einfach via Facebook oder Twitter.

Twitter vs. Trump

Im Wahlkampf 2020 wollen die Social Media-Plattformen gegensteuern: Twitter hat bereits Tweets des Präsidenten mit Warnhinweisen auf Falschmeldungen markiert.

Die Bedeutung der Sozialen Medien sei, was Verbreitung und Reichweite angehe, 2020 "tendenziell eher noch größer geworden", sagte der Politikwissenschaftler und Journalist Dr. Erik Meyer, Experte für politische Kommunikation in der digitalen Gesellschaft, im Gespräch mit SR-Moderatorin Sonja Marx. Diesmal drehe es sich aber weniger um Wahlkampf-Einmischung aus dem Ausland, sondern um "die Legitimität der Wahl", die Donald Trump bereits beim Thema Briefwahl infrage gestellt habe.

"Verzögerung der Publikation" denkbar

"Diese Art von Desinformation muss jetzt unterbunden werden", forderte Meyer. Als Gegenmittel sei für ihn beispielsweise "eine Verzögerung der Publikation" durch die Social-Media-Plattformen selbst denkbar - nach dem Motto: "Erst prüfen, dann publizieren". Im Übrigen glaube er an einen Sieg Joe Bidens, denn die Bilanz Donald Trumps sei "desaströs".

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Audio [SR 2, Sonja Marx im Gespräch mit Marcus Schuler, 21.10.2020, Länge: 02:29 Min.]
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Wenn sich der Präsident der Vereinigten Staaten zu Wort meldet, dann in der Regel über Twitter oder Facebook. Doch die lassen längst nicht mehr alle Posts von Donald Trump durch - offiziell, um "Fake News" des Amtsinhabers zu verhindern. "Facebook, Twitter oder YouTube reagieren jetzt viel schneller als noch vor vier Jahren", bestätigte San Francisco-Korrespondent Marcus Schuler im Gespräch mit SR-Moderatorin Sonja Marx. "Sie markieren jetzt Informationen, die sich schnell weiter verbreiten, die aber falsch sind. Manchmal löschen sie diese Einträge auch, weil in denen Verschwörungsmythen verbreitet werden". Facebook und Twitter hätten sogar "War Rooms" eingerichtet, um die Einträge auf ihren Plattformen rund um die Uhr zu beobachten. Sie wollten zudem verhindern, dass nach dem Wahltag über ihre Ausspielwege ein Kandidat vorzeitig zum Sieger erklärt werde, so Schuler.


Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" vom 21.10.2020 auf SR 2 KulturRadio. Das Archivbild ganz oben zeigt das Logo des sozialen Mediums Twitter auf dem Display eines Smartphones (Foto: dpa / Monika Skolimowska).

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